Kolumne: Meine Pussy brennt

Hollywood-Star und Unternehmerin Gwyneth Paltrow launchte vor kurzem eine Kerze mit Namen This Smells Like My Vagina. Die Aufregung war groß. WIENERIN-Kolumnistin Martina Parker sagt: "Regt euch ab, Leute!".

Martina Parker

Als Gwyneth Paltrow ihre Tochter 2004 Apple nannte, war das der Auftakt einer medialen Hetze, die bis heute anhält. Die Welt disst ihre Brand Goop, weil diese Vagina-Jadeeier mit falschen Heilsversprechen verkauft. Trägt Gwynnie Glow-Make-up, wird sie als „radioaktiver Schwan“ beschimpft. Und nach der „friedlichen“ Trennung von Ex Chris Martin wurde sie als Bullshitqueen zum meistgehassten Promi gekürt. Dass sie vor allem Schauspielerin ist – die Frau war die Margot in The Royal Tenenbaums! – zählt da nicht.

Aktuell hat Gwyneth ihren Hatern neuen Stoff gegeben. Die von ihr kreierte Kerze This Smells Like My Vagina entstand nach einem Joke mit ihrem Parfümeur. Elton John fand das Ganze so witzig, dass er diese Kerzen palettenweise kaufte, was lustig ist, weil er sich ja bekannterweise nichts aus Vaginen macht. Aber die Internet-Trolle schwingen humorbefreit die Keule: „Grausliche Oide!“ und „Stinkt sicher nach Fisch!“
„Sex sells“ ist im Beautybiz nichts Neues: Tom Ford ließ das Gucci-Logo in weibliche Schamhaare rasieren und schuf Düfte mit zweideutigen Namen wie Fucking Fabulous (Voll super/Fabelhaft ficken), Lost ­Cherry (Verlorene Kirsche/Verlorene Jungfernschaft) oder Rose Prick (Stich einer Rose/Rosa Penis). Was Tom tut, findet die Welt immer super. Nur Gwyneth ist eine durchgeknallte Bitch.
Richtig ihr Fett ab kriegt Paltrow jetzt für ihre Netflix-Doku The Goop Lab, in der sie und ihre Freund*innen angesagte Lifestyle-Treatments testen – von Eisbaden über Magic Mushrooms bis hin zum Vampirlifting. „Pseudowissenschaftlicher Quatsch für Selbstoptimiererinnen“, so die Kritiker. Die von Goop vorgestellten Methoden seien gefährlich, man müsse davor warnen und die Leute schützen. Mir wird bei dieser falschen Fürsorglichkeit immer ganz unbehaglich. Auf dieser Welt wird schon viel zu viel verboten und reglementiert.
Millionen glauben an die Unbefleckte Empfängnis – wenn jemand an die Heilkraft dieser Steine glauben will, dann lasst’s ihn doch bitte! Placebo wirkt auch. Und die Gefahr, dass jemand von der Serie inspiriert zum Exorzisten läuft, erachte ich als genauso vernachlässigbar wie die, dass einer nach dem Genuss von Game of Thrones ein fremdes Volk bekriegt.
Je lauter die Hasstiraden, desto paradoxer auch das Gwyneth-Bashing. Denn im Prinzip hält Frau Paltrow der Gesellschaft einen Spiegel vor. In der urbanen Boho-Kultur sind Alternativmedizin, sexuelles Empowerment und Spiritualität genauso Themen wie ihre pastellfarbenen Pullover, die gezeigten Drogen und Fadenliftings. Gwyneth Paltrow zu kritisieren ist wie Spiegelboxen. Regt euch ab, Leute! Und vergesst die Kerze, die ist eh schon lange ausverkauft.

 

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