Kolumne: Männerwoche - ist die Mama aus dem Haus ...

WIENERIN-Kolumnist Florian Danner und seine zwei Söhne haben eine Woche ohne Frau im Haus verbracht. Sie haben überlebt - nicht unbedingt wegen, sondern trotz Hilfe von außen.

Florian Danner

Ich verschanze mich ja wirklich nicht oft in unserem Haus - aber es gab da vor Kurzem eine Woche, in der ich die Türglocke mehrfach großzügig "überhören" musste. Und ich gebe zu, ich habe sogar überlegt, ob ich unser Auto nicht einige Hundert Meter weiter weg parke, damit nicht jeder sieht, dass wir daheim sind. Meine Frau war für eine Woche in New York, ich habe mir Urlaub genommen und war mit unseren zwei Burschen daheim. Die Situation, dass ein Elternteil bei den Kindern ist, während der jeweils andere einige Tage verreist, ist vermutlich nicht so außergewöhnlich. Nur: In den meisten Fällen ist der Papa weg und die Mama daheim bei den Kids.

ANOMALIE. Wenn das jetzt wie in unserem Fall - übrigens nicht zum ersten Mal - umgekehrt ist, wird das zum Spezialphänomen. Da danken mir auf einmal andere Mütter vor der Schule, dass ich meine Frau für eine Woche mit ihrer besten Freundin nach New York fliegen lasse. Da erkundigt sich auf einmal die eigene Verwandtschaft im 24-Stunden-Rhythmus, ob eh alles in Ordnung sei. Und ja, da klingelt es an einem Tag so oft an unserer Haustür wie sonst wochenlang nicht.

Gegen Dankesworte, freundliche Befindlichkeitsnachfragen und überraschend viel Besuch mit kulinarischen Gastgeschenken würde ich mich ja niemals wehren. Aber ich frage mich, ob meiner Frau auch schon einmal jemand vor der Schule gedankt hat, dass ich einmal ein paar Tage wegdurfte. Oder ob ihr jemand aus unserer Nachbarschaft ganz freiwillig angeboten hat, die Wäsche zu bügeln.

Ich frage mich, ob meiner Frau auch schon einmal jemand vor der Schule gedankt hat, dass ich einmal ein paar Tage wegdurfte. Oder ob ihr jemand aus unserer Nachbarschaft ganz freiwillig angeboten hat, die Wäsche zu bügeln.

ABSCHOTTUNG. Mein Schwiegervater kann das nachvollziehen. Als seine Frau einmal mit unseren zwei Kindern, meiner Frau und mir nach Amerika gereist ist, hat er die Garage nicht mehr geöffnet, damit niemand sieht, ob er daheim ist oder nicht. Da gab es Menschen, die ihm den Einkauf abnehmen wollten. Dabei wollte er einfach nur einmal selbst entscheiden, was er sich zum Abendessen macht - und nicht irgendwelche Gerichte aufwärmen, die ihm Nachbarn vorbeigebracht haben.

Unser Gefrierschrank ist nach der New-York-Woche meiner Frau jedenfalls entsprechend voll. Mit dem Riesentopf Penne bolognese, den wir gleich zu Beginn bekommen haben, könnten wir einen ganzen Straßenzug ernähren. Der Gugelhupf der Nachbarin wird zu meinem Geburtstag im Juni wieder aufgetaut -versprochen. Und die fünf Gläser mit Essiggurkerln, Pfefferoni und eingelegten Oliven haben in unserem Kühlschrank ebenfalls einen Ehrenplatz bekommen. Sollte irgendwann das große Blackout kommen oder in Österreich Anarchie ausbrechen -wir kämen ernährungstechnisch einige Zeit durch. Eine Woche Männerhaushalt ist nicht zwangsläufig immer gleich ein Super-GAU! ;-)

 

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