Kolumne: Luxushobby Kranksein

Bei WIENERIN-Kolumnistin Andrea Burchhart daheim herrscht das Zwei-Klassen-Dahinsiechen: Wer allein aus dem Bett kommt, hat verloren - und muss die anderen pflegen.

Andrea Burchhart

Einer speibt, der andere fiebert und rotzt, einer hustet und ich habe Schädelweh und Gliederschmerzen. Ich fühle mich elend, aber eine muss ja die Stellung halten und Tee kochen, die Bettwäsche frisch überziehen und den Fiebermesser verteilen. Das ist immer so. Nie kann ich krank sein. Denn sobald sich bei mir die ersten Anzeichen von körperlicher Schwäche bemerkbar machen, ist es garantiert so, dass sich mein Mann noch mieser fühlt. Das macht er sicher nicht mit Absicht – die roten Bäckchen und den Husten kann er schließlich nicht herzaubern. Trotzdem ist es geradezu magisch. Vielen meiner Freundinnen geht es übrigens auch so. Die dürfen auch nie alleine krank sein. Wenn, dann bitte alle in der Familie gleichzeitig. Leider funktioniert das Prinzip Hausärztin bzw. Hausarzt in Wien überhaupt nicht. Der Name ist geradezu irreführend. Obwohl unserer nur 300 Meter entfernt seine Praxis hat, ist es nicht vorgesehen, dass er auf Visite bei uns daheim vorbeischaut.

Kürzlich war zu lesen, dass viele Wiener*innen den Notarzt mit dem Hausarzt „verwechseln“ und bei Banalitäten die Rettung herbeirufen. Super eigentlich, wenn Sanis oder Ärzt*innen vor Ort dann feststellen, dass man als Patient*in nicht zwingend ins nächste Spital muss. Aber: Wer die Rettung ruft und dann doch zu Hause bleibt, der muss den Einsatz aus eigener Tasche bezahlen. Da steigt die Krankenkasse nämlich aus. Das muss man aber auch einmal wissen. Sagt einem vorher nämlich keiner.

Weil unser „Hausarzt“ in einem Krankheitsfall, der einen ans Bett bindet, nicht zu gebrauchen ist, und wir trotz Fieber soweit bei Verstand sind, keinen Rettungseinsatz zu bemühen, kontaktieren wir im Zweifel unsere Freundin A. Weil aber nicht jede Familie so eine liebe Ärztin im Freundeskreis haben kann, die sich alle Leiden geduldig anhört und der man auch zu jeder Tages- und Nachtzeit WhatsApp-Nachrichten mit komischen Bildern schicken kann, hat die Stadt Wien vor ein paar Jahren eine Gesundheitshotline eingerichtet. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche haben medizinisch geschulte Ansprechpartner*innen ein offenes Ohr. Man bekommt konkrete Tipps und erfährt, ob man besser ins Spital fahren oder die nächste offene Arztpraxis aufsuchen sollte. Ich empfehle außerdem, eine gute Beziehung zur nächsten Apotheke aufzubauen. Glauben Sie mir, wenn einen die Apothekerin ganz kümmerig mit „Oje, Sie Arme! Ich hab da was für Sie, das macht Sie garantiert schnell wieder fit!“ empfängt, dann fühlt man sich gleich ein bisschen weniger krank.

Bei Anruf Hilfe!

Gesundheitshotline: Unter der kostenlosen Nummer 1450 bekommen Anrufer*innen medizinische Auskunft.

Ärztefunkdienst: Abends und am Wochenende erreichen Sie unter der Nummer 141 praktische Ärzt*innen, die im Notfall auch nach Hause kommen.

Apotheken-Ruf: Auskünfte über diensthabende Apotheken unter 1455.

Psychosozialer Dienst: Rund um die Uhr bei psychischen Ausnahmesituationen erreichbar unter 01/313 30.

 

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