Kolumne: Kicks on fleek!

Man muss keine Falten zählen, um sich alt zu fühlen. Es genügt manchmal ein Kompliment über Schuhe.

Katharina Reményi

So, es ist offiziell: Ich bin alt. Das hat erstaunlicherweise weniger damit zu tun, dass ich einen Bandscheibenvorfall (L5/S1 - für all jene, die in meinem Team spielen) erfolgreich hinter mich gebracht habe und brav jeden Tag meine Rückenübungen mache. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich mich mit meinen Freundinnen lieber über die besten Ärzte und Wunderheiler der Stadt unterhalte als über irgendwelche Typen. Und auch nicht damit, dass ich mittlerweile auch am Samstag gerne früh aufstehe und einen Waldspaziergang mache, statt zum Shoppen in die Innenstadt zu fahren. Nein, es ist die Sprache, die verrät, dass ich nicht mehr blutjung bin. Oder besser gesagt: dass ich die Sprache der Blutjungen nicht mehr so ganz verstehe.

Neulich war ich bei so einer Modesache in Berlin und wurde mit einem Shuttlebus von einer Veranstaltung zur nächsten gebracht. Mit mir im Auto saßen ein paar Blutjunge. Plötzlich sagte eine von ihnen in meine Richtung: "Hey, deine Kicks sind on fleek! Meine Bae hat die auch!" Hm. Ich war mir nicht sicher, ob sie wirklich mit mir spricht. Aber nachdem sie mich ganz erwartungsvoll ansah, war nach kurzer Überlegung davon auszugehen. Ich: "Wie bitte?" Vielleicht hatte das Motorengeräusch ja doch das eine oder andere wichtige Wort oder zumindest einen Hinweis darauf, was sie meinen könnte, verschluckt. Sie wieder: "Coole Kicks!" Es wurde nicht wirklich besser. Zumindest das Wort "cool" habe ich verstanden, also sagte ich "Danke". Aber was zur Hölle sind "Kicks" und was heißt "on fleek" bitte genau? Deshalb tat ich das, was eh alle anderen im Auto auch gemacht haben: Ich habe mich auf mein Handy konzentriert. Aber statt auf Instagram im Stakkato zu liken, gab ich bei Google verstohlen die Suchbegriffe "Kicks" und "on fleek" und "Urban Dictionary" ein. Das Aha-Ergebnis: Sie wollte mir sagen , dass meine Turnschuhe - okay, so alt bin ich jetzt auch wieder nicht, ich bin bei "Sneaker" ins Modedeutsch eingestiegen - gut ausschauen: "on fleek" eben. Letzteres kann man übrigens für alles verwenden, was gut aussieht, auch für Augenbrauen oder Haare. Und weil ich eh schon dabei war, habe ich gleich auch noch "Bae" gegoogelt und lag mit meiner Vermutung richtig, dass das für "beste Freundin" steht (hier bin ich übrigens bei "BFF" mit Paris Hilton und Nicole Richie eingestiegen). Aussprechen tut man es übrigens wie "Bay" - das englische Wort für Bucht, wie mir ein YouTube-Tutorial verraten hat. Kurz habe ich mich sogar gut gefühlt, dass es ein Video zur Aussprache gibt und ich nicht die Einzige bin, die hier Hilfe braucht. Recht schnell wieder "out" habe ich mich aber gefühlt, als ich gesehen habe, dass es erst knapp 3.200 Menschen ebenfalls notwendig hatten, sich dieses Video anzusehen.

Nun ja, was soll's. Ich bin eh nicht so ungern alt. Ständig über irgendwelche Typen zu quatschen oder jeden Samstagvormittag mit der Masse shoppen zu gehen ist ohnehin viel zu anstrengend.

 

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