Kolumne: Kann man je genug schwarze Mäntel haben?

Für die einen sind es High Heels, für die anderen kuschelige Pullover- zu gewissen Kleidungsstücken fühlen wir uns einfach magisch hingezogen. Für WIENERIN-Kolumnistin Katharina Reményi heißt das Objekt der Begierde: schwarze Mäntel. Irgendwann hat man aber einfach genug...Oder?

Schwarzer Mantel

"Der schaut ja aus wie die anderen 45 schwarzen Mäntel, die du schon hast!", sagte er, als wir neulich gemeinsam in der Stadt waren, mich eine unsichtbare Macht in dieses eine Geschäft gezogen hat und ich diesen wirklich außergewöhnlich schönen, unglaublich leichten, wahnsinnig eleganten und einmaligen schwarzen Mantel probiert habe. Ich glaube, ich habe noch nie so einen schönen Mantel gesehen. Wirklich! Er war wie für mich gemacht. Er war einfach perfekt.

Mantel ist nicht gleich Mantel

Abgesehen davon war die Aussage mit den 45 Mänteln an sich voll gemein von ihm! Denn es sind höchstens sieben schwarze Mäntel. Höchstens. Allerhöchstens. Ich glaube, es sind in Wirklichkeit sogar nur sechs. Und zweitens beweist die Aussage mal wieder, dass der Mann wirklich keine Ahnung hat. Denn der Mantel hat natürlich vollkommen anders ausgesehen als die, die ich bereits besitze. Wirklich! Er war knielang (ich habe nur kurze oder ganz lange), er hatte aufgesetzte Taschen (so etwas findet sich bei meinen Mänteln - auch bei den anderen Farben - schon mal gar nicht) und er hatte einen extrem coolen weiten Schnitt (ich besitze nur gerade geschnittene und A-Linie). Über die verdeckte Knopfleiste, die angeschnittenen Ärmel und das superweiche Material möchte ich gar nicht erst sprechen. Also? Eben! Spielverderber.

Jede*r hat sein Laster

In einer Sache hatte der Mann allerdings recht: Ich habe tatsächlich eine Schwäche für Mäntel und bin immer auf der Suche nach dem perfekten Exemplar -die B. hat deshalb eine Schwäche für Kleider. Der Variantenreichtum an Schnitten und Mustern lässt sich ihrer Meinung nach nicht in Worte fassen. Und die K. hat eine Schwäche für weiße T-Shirts mit lustigen Aufdrucken.

Aber selbst ohne Aufdrucke gibt es das perfekte T-Shirt vielleicht wirklich nicht. Man denke nur an Stoff, Weite, Länge. Die M. gibt ihre Schwäche für Stiefel unumwunden zu. Immerhin sind zwischen einer Stiefelette und kniehohen Boots rund 45 (!) Zentimeter Platz für 45 verschiedene Höhen und Schaftvarianten - Absätze behandeln wir erst gar nicht. Die V. wiederum liebt Jeans.

Des einen Mantel ist des anderen Schuh

Übrigens hat auch der Mann seine schwachen Momente. Nämlich immer dann, wenn das Sneakermodell Gazelle von Adidas in sein Blickfeld gerät. Und das schaut ja wohl wirklich seit Jahrzehnten gleich aus. Aber davon wollte er natürlich nichts hören.

Ich habe den Mantel übrigens nicht gekauft. Denn auch, wenn alles an der Aussage mit den 45 schwarzen Mänteln falsch war, muss ich doch zugeben, dass auch sechs ihrer Art in meinem Schrank mehr als genug sind. Und ich verspreche, dass ich nächstes Mal auch zu Hause nachsehe, wenn die Aussage kommt: "Der Mantel sieht aus, als hättest du ihn schon." Vielleicht stimmt das ja sogar irgendwie. Aber das nennt man eben Stil.

 

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