Kolumne: Im genderneutralen Kaka-Lulu-Wahnsinn

Warum die politische Korrektheit von Spider-Man, Bob dem Baumeister und Eiskönigin Elsa keine Chance gegen den Sohn von Katharina Reményi haben.

Eigentlich bin ich auf den Wortschatz meines Juniors recht stolz. Mit vier Jahren kann er das Wort "Regenerationsfähigkeit" zwar noch nicht wirklich aussprechen, aber er weiß, was es bedeutet, und kann es sogar erklären. So g'scheit, der Bua! Das hat allerdings weniger mit mir oder irgendwelchen Achtsamkeitstrends, die auch in den Kindergarten überschwappen, zu tun, als mit Spider-Man - danke, Marvel! Denn diese Fähigkeit ist eine der Superkräfte des Comichelden. Was der Spinnensinn allerdings sein soll, haben weder der Junior noch ich bis jetzt wirklich herausgefunden, aber dieses Wort kann er fehlerfrei von sich geben. Tut er aber nicht mehr. In den letzten Wochen hat er seine Kommunikation meistens auf gerade einmal zwei Worte reduziert: Kaka und Lulu. Diese acht Buchstaben beherrschen derzeit unser Leben. Ja, unser Leben. Ich versuche zwar mit aller Kraft, keine "Wir"-Mama zu sein (à la "Wir brauchen keine Windeln mehr" oder "Wir können schon mit der Gabel essen" etc.), aber in diesem Fall haben tatsächlich wir im Moment eine Kaka-Phase. Freut der Junior sich, ist es "Voll Kaka!"; ärgert er sich, auch. Oder Lulu. Oder beides. Mir geht es mittlerweile genauso. Aber diese beiden Wörter (sind es überhaupt welche?) sind wirklich universell einsetzbar. Beispiele? Aus Cornflakes wurden Kaka-Flakes, Hänsel und Gretel heißen jetzt Kaka und Lulu und wir haben den Bob der Baumeister-Song umgetextet. Statt "Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das!" singen wir jetzt lauthals: "Können wir das kacken? Ja, wir lulun das!" Wenn uns wer zuhört Wahrscheinlich ist es erzieherisch genau gar nicht wertvoll, aber ich muss zugeben, dass dadurch mein Aggressionspotenzial gegenüber dieser CD - die ich gefühlt schon 1.245 Mal anhören musste - tatsächlich gesunken ist. Bob, Mixi und die anderen können nämlich auf Dauer irre nervig sein. Ehrlich gesagt ertappe ich mich sogar schon dabei, dass ich das singe, wenn ich allein im Auto bin. Und es macht mir gute Laune.

Kaka-Mania!

Der Mama von Finn aus dem Kindergarten geht es ähnlich. Die geht sogar fröhlich "Kaka, Lulu " summend herum. Und während die Finn-Mama und ich das Gefühl haben, völlig die Kontrolle verloren zu haben, sind uns die Mia-Mama und die Irma-Mama, glaub ich, sogar ein bisschen dankbar dafür, dass wir es derzeit nicht schaffen, den Buben einen normalen Sprachgebrauch zu vermitteln. Denn der Kaka-Lulu-Wahnsinn hat mittlerweile auch ihre Töchter erfasst, und das bedeutet für sie nicht weniger als die lang ersehnte Abwechslung zu Elsa und ihrem blöden blonden Zopf. Kaka und Lulu sind genderneutral. Ein Traum!

Nur: Wird das je wieder aufhören, wenn sogar wir Mütter voll dabei sind? Zum Glück zeigen die Kinder erste Anzeichen für neue unsägliche Sprüche. Aber ob "Hey, du alte Oma!" wirklich viel besser ist? Vielleicht sollten wir doch an der Aussprache von "Regenerationsfähigkeit" feilen. Aber andererseits, wer will schon so politisch korrekte Scheißerchen zu Hause haben?

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