Kolumne: Ich, der einfallslose Kochmuffel

Millionen von Kochbüchern. Kochblogs im Netz. Auf Facebook. Auf Instagram. Die nächste Rezeptidee nur einen Mausklick entfernt. Trotzdem lande ich immer wieder bei den Classics.

Olivia Peter

Eigentlich ist bei uns der Mann der Koch. Der macht das gerne. Das mit dem Stundenlang-in-der-Küche-Stehen. Er kauft dann immer viel zu viel. Macht mich wahnsinnig. Viel zu exotisch. Macht mich wahnsinnig. Kauft für dieses eine Gericht ganz viele Zutaten, Gewürze, Produkte. Wie oft wir die anschließend verwenden? Nicht wahnsinnig oft. Dafür haben wir dann aber wahnsinnig viele Lebensmittelmotten in der Wohnung, die sich wahnsinnig gerne in
Mehl, Reis oder Gewürzmischungen verstecken.

GEGENSATZ. Ich bin da ganz anders. In einer Datenbank mit Millionen von Rezepten lande ich immer wieder bei meinen vier Klassikern: Flammkuchen. Quiche. Putenstreifensalat. Bierhendl. Es ist zum Schämen! Wir haben fünf Regale voll mit exquisiten Kochbüchern! Plachutta, Jamie Oliver, alles dabei. Dazu noch Stapel von Kochzeitschriften, und ich lese das alles total gerne. Streiche mir Rezepte an, die ich unbedingt ausprobieren will. Kann schon fühlen, dass mein Leben ab heute viel abwechslungsreicher, gesünder, vitaler wird. Nur, um dann im Supermarkt zu stehen und mal wieder das Übliche einzukaufen. Häufig begleitet vom SMS-Dialog: Ich: „Was kochen wir heute? Ich hätte Thai-Salat mit Ingwer-Kokos-Dressing ausprobiert!“ Er: „Oder Flammkuchen?“ Ich: „Aber das essen wir eh immer!“ Er: „Aber es schmeckt so gut!!!“ Und schon knicke ich ein. Glücklich über die Vorlage, die er mir liefert. Um ehrlich zu sein.

THEORIE. Das Problem am Probieren von neuen Gerichten: Du investierst viel rein und weißt nicht, was hinterher rauskommt! Außerdem können nur sehr wenige Rezepte meinen strengen Kriterien standhalten, die da wären: Es muss schnell gehen. Es muss günstig sein. Ich muss das Rezept beim ersten Mal Durchlesen verstehen. Ich muss dafür keine seltsamen Küchengeräte erwerben. Die Zutatenliste darf nicht länger sein als der Name des Rezepts. Ich muss mindestens fünf
der darin enthaltenen Zutaten kennen. Pochieren, Dünsten, Dampfgaren, Sous-vide-Garen oder sonstige Lustigkeiten sind keine Option. Was bleibt da noch, frage ich Sie!
Die einzige Methode, mit der man es schafft, mir ein neues Rezept unterzujubeln: Man kocht es mir vor. Es schmeckt mir. Ich will es nachkochen. Man schreibt mir
die Zutatenliste auf einen kleinen Zettel. So wie früher die Oma. Oder was glauben Sie, wie Flammkuchen (Schwester), Quiche (guter Freund), Bierhendl (Nachbarin) und Putenstreifensalat (Mama, die mindestens so einfallslos beim Kochen ist wie ich) auf meine Klassikerliste gekommen sind? Ach ja: Fischstäbchen kann ich auch ganz gut. Das Rezept dafür hab ich von Käpt’n Iglo. Eine Empfehlung des Hauses.
Und jetzt geh ich mir ein neues Küchengerät kaufen: einen Verwurschter. Da kommen alle Rezepte rein, die ich jemals kochen wollte und nie gekocht habe. Wollen
Sie zum Essen kommen? Ich glaube, es reicht für alle!

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