Kolumne: "I wü no a Peckerl!"

WIENERIN-Kolumnistin Martina Parker über den einen Trend, der ganz tief unter die Haut geht: Tattoos!

Martina Parker

Mein erstes Tattoo verdanke ich dem Dieter. Oder besser gesagt der Tatsache, dass der Dieter blunzenfett war und der Wiener Tätowierer ihn deshalb nicht stechen wollte. "Nimm du meinen Termin, ich hab drei Monate darauf gewartet!", lallte er. "Mach ich!", sagte ich. Eine Stunde später hatte ich eine Rose auf der Brust. Voll fantasielos, ich weiß -aber die einzig denkbaren Alternativen waren Delfine, Meerjungfrauen und Anker, und mir wird auf Booten immer schlecht.

Das zweite Tattoo zog ich mir dann auf der Inform zu. Für nicht Eingeweihte: Die Inform ist die südburgenländische Landwirtschaftsmesse. Aus unerfindlichem Grund stellte neben all den Rinderzüchtern und Traktorenfirmen auch ein Kosmetikstudio aus, das Permanent-Make-up und nicht permanente Tattoos anbot. "Das ist keine richtige Tattoomaschine, das Peckerl ist in sechs Monaten wieder weg", versprach die Messestandbetreuerin. Ich suchte mir ein asiatisches Schriftzeichen aus, das Hoffnung bedeuten sollte - die Hoffnung, dass das Tattoo nach einem halben Jahr verblassen würde, erfüllte sich nicht. Jahrzehnte später ist das Tattoo immer noch da, und es heißt ganz sicher nicht Hoffnung, weil ich mittlerweile Dutzende Asiaten danach gefragt habe und alle immer nur komisch schauen oder bedauernd den Kopf schütteln. Viel depperter als ich kann man sich beim Thema Tätowieren echt nicht anstellen.

Man sollte ja glauben, dass ich danach die Schnauze voll hatte. Aber ganz im Gegenteil: Im Moment denke ich sogar über ein neues Tattoo nach, was daran liegt, dass ich ständig mit Tätowierten zu tun habe. Tattoos sind ja echt inflationär - jeder fünfte Österreicher hat schon eines. Zum Beispiel der Mann, der meine Nägel macht. Der hat die Unterarme tätowiert, und während wir eine Stunde lang Händchen halten, schaue ich mir seine Körperbilder an und denke mir: "Schon nett!" Oder mein Boxtrainer: Vor lauter bunten Bildern kann ich mich gar nicht auf den rechten Haken konzentrieren. "Wenn ich einmal solche Muskeln habe, lass ich mir auch einen Ärmel stechen", sage ich. "Wenn du dir einen Ärmel stechen lässt, brauchst nimmer zum Elternabend gehen!", sagt mein Sohn. Spielverderber!

Okay, der Ärmel fällt also weg. Aber es gibt ja noch andere Arten, Farbe zu bekennen. Das Internet ist voll mit Inspirationen. Ich google mich also durch die Tattooszene, und was lese ich da? Der große Tattootrend 2020 sind Old-School-Tattoos und Trash! Mit der Rose und dem Asiazeichen, das vermutlich Frühlingsrolle heißt, bin ich also voll vorne mit dabei. Bei Tattoos ist es wohl so wie bei allen Trends: Alles kommt wieder. Ich war nie uncool, sondern bin eine Early Adopterin. Yeah!

 

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