Kolumne: Die ewige Warterei auf den Handwerker

Herr Installateur kommt. Oder auch nicht. Kolumnistin Olivia Peter über Handwerker, die sich viel Zeit lassen.

Das Duschwasser ist eisig. Ein Installateur muss her. Rufe die Hausverwaltung an. Sie schicken wen. Haben sie gesagt. Zwei Wochen ist das her. Ja, seitdem ist das Wasser eisig. Nein, seitdem bin ich nicht gut aufgelegt. Endlich läutet das Handy. Herr Installateur kommt! Morgen zwischen 7 und 12! Frage vorsichtig, ob man das nicht genauer definieren könne. Schnaufen. Er komme so bald wie möglich. Ich sei nicht die Einzige auf der Welt mit Wasserproblemen. Aber er ist der Einzige, der einen Terminzeitraum von fünf (!) Stunden festlegen kann. Haben Sie das schon mal bei einem Geschäftstermin versucht? Eben.

Bitte warten...

Stelle mir also am nächsten Tag den Wecker auf 6:30 Uhr. Vielleicht kommt er ja früher. Alles schon erlebt. 7 Uhr. Bin bereit. 8 Uhr. Bin in freudiger Erwartung. 9 Uhr. Beginne, unruhig zu werden. Es ist 10. Die Laune sinkt. Um 11 ist der Hundling noch immer nicht da. Kurz vor halb 12 klingelt es. "Tuat ma laad. Is ned fria 'gangen." Mir tut es auch leid, dass ich den gesamten Vormittag mit unnützer Warterei verbracht habe. Schleppe den Mann also mitsamt Werkzeugkoffer ins Badezimmer. Erkläre: "Das Wasser ist kalt!""Aha.""Seit mehr als zwei Wochen!""Na bumm!" Ende des Gesprächs. Er dreht den Wasserhahn auf. Ich bohre investigativ nach. Bin schließlich Journalistin: "Und? Was kann das sein?" Er ignoriert mich. Schraubt am Wasserhahn herum. Versuche es mit einem Lösungsvorschlag: "Könnte es mit der Therme zu tun haben?" Wieder keine Antwort. Puh. Stehe unschlüssig in der Badezimmertür herum. Werde hier offensichtlich nicht gebraucht. Aber Handwerker alleine zu lassen ist nicht gut. Sagt mein Vater. Man müsse sie kontrollieren. Entscheide mich trotzdem fürs Gehen. "Ich lass Sie mal arbeiten!" Das akzeptiert er offenbar. Oder auch nicht. Seine Antwort ist nämlich erneut: Schweigen.

Eiszeit - im Bad und zwischenmenschlich

Verlasse das Bad. Sitze rum. Ein Fremdkörper in den eigenen vier Wänden. Ein wildfremder Mann steht gerade in meinem Badezimmer und ich bin der Störenfried. Komische Welt! Beginne, mich alibimäßig zu beschäftigen. Lese. Ohne zu lesen. Räume Geschirr herum. Das nicht herumgeräumt werden muss. Stelle mich vor den Spiegel und probiere eine Jacke, die ich ins Büro anziehen möchte. Da steht der Handwerker plötzlich hinter mir. Eh klar. Im ungünstigsten Moment. Ich bin knallrot. Er ist fertig. Frage nach, was kaputt war.

Ein einzelnes Wort beginnt sich in seinem Mund zu formen, bahnt sich den Weg nach draußen und stürzt hervor: "Therme!" Ich lege nach: Wie wir das mit der Rechnung machen? Schickt er. Was es ausmacht? Bestimmt der Chef. Ungefähr? Bestimmt der Chef. Ich gebe auf. Gemeinsam verlassen wir die Wohnung. Ich schaue noch schnell ins Postkastl und erstarre: ein gelber Zettel. Nächste Woche kommt der Rauchfangkehrer. Zwischen 7 und 12. Hurra.

 

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