Kolumne: Als Frau Kinderwunschlos glücklich. Geht das?

Frauen, die keine Kinder wollen, können das gar nicht ernst meinen. Aber was, wenn doch?

Kolumne Saskia Kinderwunsch

Es gibt Mädchen, die schon von klein auf gern mit Puppen spielen. Konnte ich nie verstehen. Mir waren Puppen unheimlich. Vor allem diese mit Stillfunktion. Das, was ich als Vierjährige über das Stillen wusste, passte überhaupt nicht zu dem, womit ich zum damaligen Zeitpunkt biologisch ausgestattet war. Auch diese klackernden Augen und das fast schon verkrampft-erwartungsschwangere Getue von den Älteren: "Freu dich!"

Für mich ist die Frage nach Elternschaft sehr viel wirklicher und stressiger geworden. Ein weiteres kleines Geschenk meiner Erkrankung Endometriose. Nach der Endometriose-OP wird geraten "gleich loszulege", sofern ein Kinderwunsch vorhanden ist. Wisst’s eh, nur keinen Druck aufbauen.

"So jung"

Jede Frau steht anders zum Kinderwunsch. Es gibt Frauen, die hufescharrend an der Poleposition warten und loslegen wollen, es gibt Frauen, die es auf sich zukommen lassen. Und dann gibt es Frauen, die gar nichts davon wissen wollen. Meine Freundin Emma streitet seit über 15 Jahren darum, dass man ihren nicht existierenden Kinderwunsch ernst nimmt. Wir sprechen viel über dieses Thema. Es expandiert nämlich über Tante Uschis unqualifizierte Meinung bei Familienfesten, zu: "Halt mal kurz das Baby, dann übst du schon mal für später".

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Seit Emma 17 Jahre alt ist, weiß sie, dass sie keine Kinder will. Ihr Umfeld sagte: "Ach das überlegst du dir sicher noch". Die Ärzt*innen sagten: "Sie sind noch so jung". Inzwischen ist Emma Anfang 30 - ihre Einstellung zu Kindern ist die Gleiche. Vor fünf Jahren hatte sie um eine Sterilisation angefragt. Abgelehnt. Einer so jungen Frau kann man keine so langfristige Lösung anbieten. Sind Kinder denn kein Langzeit-Projekt?

Emma lebt mit einer Hormonspirale und ein bisschen mit einem Damoklesschwert. Ihr Leben werde von außen reguliert, sagt sie. Von anderen Personen, nur nicht von ihr. Denn Dinge können schiefgehen. Verhütungsmittel können streiken, Kondome können reißen. Oder es gibt dank des Sexualpartners plötzlich keine mehr, Stichwort Stealthing. Dann gibt es noch mehr Personen, mit denen man sich beschäftigen muss: Apotheker*innen, vor denen sie sich wegen der Pille danach rechtfertigen müsste. Oder eine Fristenlösung, die sie besser einhielte. Falls nicht, droht tatsächlich Gefängnisstrafe lt. §§ 96, 97 StGB. All das wäre sie gern mit einer Sterilisation umgangen, aber dafür ist sie selbst mit Anfang 30 noch "viel zu jung".

Durch Gebärmutter entmündigt

Ich frage mich, welcher Mensch sich am Beginn ihrer/ seiner Volljährigkeit anhören muss, etwa für den Abschluss einer Lebensversicherung, einer Unternehmensgründung oder einen Parteibeitritt noch "viel zu jung" zu sein. Man mag mich engstirnig nennen, aber sollten diese Optionen nicht ebenfalls langfristig motivierte Überlegungen sein?

Frauen, die bereits in jungen Jahren wissen, dass Mutterschaft für sie nicht das Richtige ist, werden auf ihr vermeintliches junges Alter reduziert, gemansplained, entmündigt und auch fremdbestimmt. Aber das soll passieren, wenn man eine Gebärmutter hat.

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Nicht, dass dies ein neues Phänomen wäre - Frauen müssen sich ohnehin rechtfertigen, egal was sie mit dem Gebärungsapparat gedenken zu tun oder zu lassen. Vielleicht sagen einige Frauen schon in einem jüngeren Alter, sie wollen keine Kinder. Manche ändern ihre Meinung, und das ist ok so. Andere nicht, und das ist genauso ok. Manche Frauen sind einfach kinderwunschlos glücklich. Unterm Strich ist es ihre Entscheidung.

 

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