Kolumne: Alles auf eine Karte

Klubzwang: Martina Parker hinterfragt Bonusklubsysteme.

Letztens machte ich eine Hitparade der Dinge, die mich diesen Sommer nerven. Platz drei: die "Ich will ihr Auto kaufen!"-Zettelchen, die jeden Morgen im Seitenfenster meines Kombis stecken. Platz zwei: die upgedatete Suchfunktion meines Mailprogramms, mit der es unmöglich ist, jemals ein Mail wiederzufinden. Platz eins: der Satz "Haben Sie eine Kundenkarte?".

KARTE, BITTE! Das Problem ist: Ich hatte mal Kundenkarten. Ich hatte sogar so viele Kundenkarten, dass die dafür benötigte Geldbörse größer war als die meisten meiner Handtaschen. Wurscht! Die Jägerin und Sammlerin in mir blieb ihnen trotzdem treu. Die Jägerin war auf der Suche nach Rabatten, die Sammlerin hortete Punkte, um sie später gegen Prämien einzutauschen. Das System hatte ich schon von Kindesbeinen an verinnerlicht - damals, als der Yves Rocher-Katalog die Welt der Schönheit zu uns ins Südburgenländische brachte und Monsieur Yves alle Südburgenländerinnen mit "Chères Mesdames" ansprach. Die Auswahl der Beauty-Bestellung trafen die Chères Mesdames mit Glückslosen und Rabattpickerln. Was man sich da ersparte!

Jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung, sind Kundenkarten aber angeblich urgefährlich. Was kauft wer wann? Wie viel und wie oft? War das Konto dabei immer gedeckt? Solche Informationen sind eine wertvolle Ware. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Datensätze so verbinden lassen, dass sich persönliche Einkaufsprofile der Kunden erstellen lassen. Bei den neuen Superklubs und Cashback-Systemen, bei denen sich mehrere Handelspartner eine Karte teilen, ist das mit dem Datenschutz angeblich besonders kritisch. Und ich bin wieder mal hin-und hergerissen -zwischen "Wurscht, ich hab eh nichts zu verbergen!" und "Oh Gott, ich bin ein gläserner Mensch!". Ungeklärte Fragen wie "Erfährt mein Tankstellenbesitzer jetzt meine o.b.-Größe und was macht er mit dem Wissen?" haben mich bis jetzt abgehalten, da mitzumachen.

SMARTCARD. Die Sache hat nur einen Haken: Mir entgehen jetzt alle Rabatte. Sogar das Kundenmagazin, das ich als Klubmitglied immer gratis bekommen hatte, muss ich jetzt kaufen! Schweren Herzens legte ich unlängst meine Waren auf das Förderband. "Haben Sie eine Kundenkarte?", fragte die Kassierin. "Nein", sagte ich. "Ja", sagte mein Sohn!"Ernsthaft?", fragte ich. "Und was ist mit dem Datenschutz?" Aber dann zeigte sich, dass ich mir darüber echt keine Sorgen machen muss: Mein 14-Jähriger ist wie alle in seiner Klasse laut Kundenprofil Dipl.-Ing. (FH), wohnt in der Gibtsnichtstraße und hat eine trashmail@gmx-Adresse. Wahnsinn, wie die Kids das System austricksen! Demnächst kommt sicher eine Studie raus, dass Diplomingenieure auffällig oft Schaumzuckerpilze und Eistee kaufen.

 

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