Klimt-Schiele-Kokoschka und die Frauen im Belvedere

Vorhang auf für die moderne Frau. Wir waren letzte Woche im Belvedere und haben uns die Ausstellung angesehen: "Eine gelungene und fortschrittliche Symbiose aus aktueller Gesellschaftsthematik und kunstgeschichtlichem Kontext".

Das Wiener Belvedere zeigt in seiner neuesten Ausstellung "Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen" Werke der österreichischen Künstler und beschäftigt sich eingehend mit der Frauenthematik des Fin de Siècle.

Zur Ausstellung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden aufgrund weitreichender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen sowie einer gedanklichen Neuorientierung, die traditionellen Geschlechterprinzipien infrage gestellt. Die zunehmende Gleichstellung von Mann und Frau rief einerseits heftige Diskussionen herbei, andererseits wurde die sexuelle Emanzipation als ein gemeinsames Ziel erachtet, da sowohl Männer als auch Frauen aus den moralischen Zwängen des 19. Jahrhunderts auszubrechen wünschten.

In der Kunst befassten sich Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka sehr genau mit dieser Thematik und näherten sich der Frauenfrage auf ihre - durchaus progressive- Weise.

So meint New Yorker Galeristin und Kuratorin der Ausstellung Jane Kallir etwa: In der Zeit der Jahrhundertwende war "das intellektuelle Wien von der weiblichen Sexualität gerade zu besessen".

Fazit

Gerade weil weibliche, bekannte Künstlerinnen in den verganenen Jahrhunderten der Kunstgeschichte kaum an die Öffentlichkeit gelangten, sind Frauen in der Kunst vielfach nur Darstellungsobjekte, Musen oder dekorative Bildelemente anstatt emanzipierter, gesellschaftsprägender Persönlichkeiten gewesen.

Die Ausstellung im Belvedere setzt daher an einem wichtigen Punkt der Kunstgeschichte an, in der sich die Sicht auf die Frau zunehmend (zum Besseren) ändert und die Gleichberechtigung (langsam) Fahrt aufnimmt.
Im fortschrittlichen Denken vieler Künstler dienen die dargestellten Frauen nicht mehr nur voyeuristischen Zwecken.

Die starke Frau steht im Vordergrund. Und zwar nicht nur in der Bilddarstellung, sondern auch in Ihrem Wirken und Tun. Dies manifestiert sich auch in der Ausstellung selbst: Denn ungewöhnlicherweise sind die Begleittexte neben den Bildern in der Ich-Perspektive geschrieben - die Frau spricht also für sich und lässt nicht sprechen. Dazu passend prangern starke Zitate von bekannten weiblichen Persönlichkeiten an den Wänden, die die Ausstellung passend untermalen.

"Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen"
von Rosa Mayreder

Im Kontext aktueller femininistischer Debatten (die momentan in Österreich viel zu selten Gegenstand von Diskussionen sind) ist diese Ausstellung ein wichtiges Statement der österreichischen Kunstwelt, dass hoffentlich zum Nachdenken anregt. Eine gelungene und fortschrittliche Symbiose aus aktueller Gesellschaftsthematik und kunstgeschichtlichem Kontext.

Allein aufgrund der zahlreichen kunsthistorischen Meisterwerke, die das Belvedere als Leihgabe gewinnen konnte (bzw. aus dem eigenen hochkarätigen Bestand schöpft), ist diese Ausstellung auf jeden Fall einen Besuch wert.

Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

Ausstellungsdauer: 22. Oktober 2015 bis 28. Februar 2016
Ausstellungsort: Unteres Belvedere

Eintritt: 11€

Mehr auf: belvedere.at

 

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