Kleines Schwarzes

Schlicht, schmal, schwarz – drei Attribute, ein Klassiker, Millionen Fans. Wir erzählen Ihnen die Erfolgsgeschichte eines Kleides, das seit Jahrzehnten en vogue ist. Und es auch 2011 bleiben wird.

André Courrèges und Jean Patou teilen ein ähnliches Schicksal. Beide Designer entwarfen Klassiker der Mode. In die Fashiongeschichte gingen mit ihnen allerdings andere ein. Mary Quant gilt anstelle von Courrèges als Erfinderin des Minirocks. Ihr Marketing war einfach fitter. Und Coco Chanel wird seit knapp 85 Jahren für ihren Entwurf des kleinen Schwarzen gefeiert wie Michael Jackson für die Kreation des Moonwalks – obwohl der Applaus eigentlich Patou, ihrem schärfsten Konkurrenten unter den Pariser Couturiers, gehören müsste. Mademoiselle wusste sich halt besser zu verkaufen.

Karl Lagerfeld hat damit kein Problem. Im Gegenteil: „Chanel kopierte alles und machte es zu einem kommerziellen Erfolg. Genial, oder?“ Zu den Stärken der Designerin gehörten seiner Meinung nach eben gerade auch „ihr Talent zur Assimilation, ihr Wille zur Veränderung und ihre Fähigkeit, auf der Höhe der Zeit zu sein“. Ungerechte Modewelt hin oder her: Mit dem kleinen Schwarzen sind Frauen seit seinem ersten Auftritt in der US-Vogue im Frühjahr 1926 immer en vogue.

Wunderbare Jahre. Die Gründe für seinen Erfolg änderten sich freilich im Laufe der Zeit: In den 1920er-Jahren glich das Kleid einer Revolution. Bei genauerer Betrachtung war es allerdings eine modisch logische Folge. „Kleine Schwarze kamen um 1920 auf, und mir scheint, dass sie sich aus dem Trauerlook des Ersten Weltkriegs entwickelt haben“, erklärt Karl Lagerfeld. „Die Frauen gewöhnten sich daran, schlichte schwarze Kleider zu tragen und an anderen zu sehen. Als sich das Leben änderte, wurde das kleine Schwarze zu einem anpassungsfähigen Modeartikel – mal chic, mal sexy.“ Das Leben änderte sich schnell.

"Chanel kopierte alles und machte es zum Erfolg. Genial, oder?"

Karl Lagerfeld
Egal ob Business, Party oder Cocktailstunde - mit dem kleinen Schwarzen ist man nie verkehrt angezogen.

Kaum ein Designer verzichtet in seiner Herbst/Winterkollektion 2010/11 auf den schwarzen Renner.
Bottega Veneta und Akris sind da keine Ausnahme.

Die aktuellen Interpretationen des kleinen Schwarzen der Labels Barbara Bui, Miu Miu und Emporio Armani sind schlicht, zeigen aber Liebe zum Detail.
Auf die ausschweifenden Charleston-Jahre folgte die Rezession der 1930er-Jahre. Auch dafür war man mit diesem Kleidungsstück bestens gerüstet: Es galt als Zeichen schlechten Geschmacks, reich auszusehen, der „arme“ Look kam in Mode. In den Kriegsjahren wurde Mode dann gänzlich zur Nebensache – mit ein Grund für den Höhenflug des zeitlosen Klassikers.

In den 1950ern sorgten nur mehr die Rocklängen für Skandale. Schwarz gehörte längst rund um die Uhr zum guten Geschmack bei den oberen Zehntausend wie bei den Bohemiens. Jackie Kennedy trug das kleine Schwarze in den Roaring Sixties zu offiziellen Anlässen und mit Audrey Hepburn schrieb es dank Frühstück bei Tiffany Mode- und Filmgeschichte. Selbst das Hippie-Jahrzehnt kam nicht mehr um dieses simple Kleidungsstück herum.

Passt immer. US-Designerin Donna Karan befreite die Frauen 1985 mit ihrer ersten Kollektion von Business-Anzügen und steckte sie in kleine Schwarze – mit betonten Schultern. In den 1990er-Jahren wollten dann alle dünn aussehen. Das funktioniert bekanntlich mit der Farbe Schwarz. Heute ist in der Mode alles erlaubt. Verwirrend. Deshalb ist und bleibt das kleine Schwarze der stilsichere „Passt immer“-Rettungsanker im Kasten jeder Frau.
 

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