Kirschenzeit

Das runde, rote Früchtchen schmeckt einfach nur himmlisch, ist äußerst gesund und beliebt bei Groß und Klein. Kirschen sind wahre Vitaminbomben, gehören neben der Erdbeere zum ersten Obst, das im späten Frühjahr aus heimischer Erzeugung angeboten wird und ist deshalb zu Recht unser Obst der Woche!

Erfrischend, schmackhaft, beliebt bei Groß und Klein, gesund und roh genauso lecker wie verarbeitet zu Marmelade, Dessert oder Saft. Was kann man mehr von einem Obst verlangen? Kurz und gut: Die Kirsche ist für uns die Königin unter den Steinfrüchten!

Königin Kirsche darf sich auch mit einer besonders heroischen Ursprungsgeschichte rühmen. Ihre Verbreitung in unseren Gefilden verdankt das süße Früchtchen nämlich einem kriegerischen Feldzug im ersten Jahrhundert vor Christus. Im Jahr 63 v. Chr. siegte der römische Konsul Lucullus über Mithridates, damals König von Pontos im antiken Kleinasien. Bei seiner Rückkehr hatte er auch einen Kirschbaum im Gepäck. Von den Gärten des Lucullus im antiken Rom nahm die Verbreitung des Kirschbaums in ganz Europa ihren Lauf. Die Bezeichnung Kirsche geht übrigens auf das lateinische Wort „cerasus" zurück - entstanden in Anlehnung an den Herkunftsort von Lucullus Bäumchen, der Stadt „Kerasos" an der Schwarzmeerküste.

Mit dieser Legende darf sich aber nur die Süßkirsche rühmen. Ihre Verwandte, die Sauerkirsche, oder Weichsel wie wir sie in Österreich auch nennen, stammt ursprünglich aus Südwestasien und ist erst seit dem Mittelalter bei uns bekannt. Die Süßkirsche wächst übrigens auf dem Vogel-Kirschbaum, der zum Baum des Jahres 2010 gewählt wurde.

Apropos Süßkirsche und Sauerkirsche: Es gibt die verschiedensten Arten von Kirschen, die sich in Form (rundlich, oval, herzförmig), Farbe (gelb, hellrot bis rotschwarz) und Geschmack (alle Nuancen zwischen süß und sauer) voneinander unterscheiden. Süß- und Sauerkirsche gehören bei uns zu den beliebtesten Arten, daneben gibt es noch weniger verbreitete Sorten wie zum Beispiel die Bastardkirsche (eine Kreuzung zwischen Süß- und Sauerkirsche) oder die Amarelle mit einer fast durchsichtigen Haut.

Ein Klassiker der österreichischen Küche: Schwarzwälder Kirschtorte.

Süßkirsche vs. Sauerkirsche

Beide haben von Juni bis August Hochsaison in Österreich. Den Rest des Jahres werden sie importiert - vorwiegend aus der Türkei, den USA, in den Wintermonaten auch aus Südamerika und Australien. Einen Unterschied zwischen den beiden Sorten verrät bereits ihr Name. Die süße Version genießt man am besten roh (selbstgepflückt nascht sie sich natürlich am besten!), die Weichsel mit ihrem säuerlichen Geschmack wird bevorzugt für die Zubereitung von Marmeladen, Nachspeisen, Kompott, Likör und Säften verwendet.

„Kirschen + Wasser = Bauchweh“

Omas Rat, nach dem Kirschenessen kein Wasser zu trinken, ist zwar gutgemeint, aber unnötig. Denn Wasser in Maßen in Kombination mit einem Teller voll Kirschen hat nicht, wie lange Zeit behauptet, Bauchschmerzen zu Folge. Schob man früher gern dem Obst die Schuld in die Schuhe, wenn der Verzehr von Früchten und Wasser zu Durchfall führte, weiß man heute, dass wohl eher die schlechte Wasserqualität der Grund der üblen Nebenwirkungen war. Bei der heutigen Trinkwasserqualität besteht aber keine Gefahr mehr.
Mit Blähungen nach dem Verzehr von Obst darf da schon eher gerechnet werden. Diese entstehen durch Gärprozesse im Magen, die bei der Verdauung von Obst in die Gänge kommen.
„Mit dem ist nicht gut Kirschen essen“...

... sagen wir über jemanden, mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte. Die Redewendung verdanken wir dem Mittelalter, als Kirschen noch ein seltener und teurer Genuss waren, der den reichen Menschen vorbehalten war. Diese trafen sich gelegentlich zum gemeinsamen Kirschenessen. Mischten sich arme Leute unter die vornehme Gesellschaft, um auch die eine oder andere Kirsche abzubekommen und wurden diese entlarvt, wurden sie von der vornehmen Runde tatsächlich mit Kirschkernen bespuckt. Ursprünglich lautete die Redewendung: „Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie spucken einem die Steine ins Gesicht.“
Was wäre die österreichische Küche ohne ihre berühmte Schwarzwälder-Kirschtorte? Auf jeden Fall um eine ihrer süßesten Versuchungen ärmer!

Zutaten für die Torte:
8 Stück Eiklar, 200 g Staubzucker, 1 Packung Vanillezucker, 60 g Butter, 100 g Schokolade, 100 g Nüsse, 100 g Mehl (griffig)

Zutaten für die Creme:
125 ml Obers (oder Milch), 2-3 Stück Dotter, 100 g Schokolade, 100 g Zucker, 20 g Kartoffelmehl, etwas Butter (weich), 2 Blatt Gelatine, Weichselmarmelade und halbierte Weichseln

Die Anleitung für die Zubereitung der Torte finden Sie auf: www.ichkoche.at

Was die Weichsel ihrer süßen Verwandten voraus hat, ist ein höherer Fruchtsäuregehalt. Sie kurbelt so die Verdauung noch stärker an. Weiterer Pluspunkt: ein höherer Eisen- und Magnesiumgehalt. Die Süßkirsche wiederum kann mit einem größeren Anteil an positiven Inhaltsstoffen gegenüber der Weichsel auftrumpfen, sie hat bei Vitaminen und Mineralstoffen die Nase vorn.

Doch ganz egal, wer in diesem Vergleich jetzt vielleicht etwas besser abschneidet, gesund sind sie alle. Ihre Wirkstoffe lesen sich wie das „Who-is-Who" des Medikamentenschrankes.

"A cherry a day keeps the doctor away..."

Grundsätzlich gilt: Je dunkler die Farbe, desto mehr Pflanzenfarbstoffe (Anthozyane) enthält die Kirsche und desto gesünder ist sie. Anthozyane bekämpfen einerseits freie Radikale und wirken so vorbeugend gegen Arteriosklerose, grauen Star und Krebs, andererseits sind sie gut fürs Immunsystem und wirken schmerzlindernd (zum Beispiel bei Kopfschmerzen).

Kirschen regen die Verdauung an, ihre harntreibende Wirkung kann Abhilfe schaffen bei Nieren- und Blasenentzündungen. Sie enthalten wichtige Spurenelemente, Vitamine und Mineralien (Kalzium, Kalium, Eisen, Phosphor, Vitamin B und C, u.v.m.). Lassen Sie Ihre Kinder ruhig einmal mehr auf Nachbars Kirschbaum klettern - die runden Früchtchen sind das perfekte Obst für Ihren Nachwuchs, sie unterstützen den Aufbau von Knochen und Zähnen.

Aber nicht nur die Frucht selbst, sondern auch ihr Kern tut unserem Körper gut - als wärmendes oder kühlendes Kirschkernkissen. Gesäuberte und getrocknete Kirschkerne im Kissen sind eine gute Alternative zu Eisbeutel und Wärmeflaschen, da sie sowohl Wärme als auch Kälte lange Zeit speichern können. Warme „Kirschsackerl" helfen gegen Verspannungen, Muskelzerrungen und -schmerzen oder auch Kopfschmerzen. Hat man die Nacht durchgefeiert, kämpft ein kühlendes Kirschkernkissen gegen Augenschwellungen an. Kühlend auf Prellungen oder Stauchungen aufgelegt, werden die Schmerzen gelindert.

Wie viele Kissen man wohl seit Beginn der jährlichen „Weltmeisterschaft im Kirschkernweitspucken" 1974 bereits mit den Kirschkernen der Teilnehmer füllen hätte können? Man kann nur Vermutungen anstellen bei zwei Durchgängen mit jeweils drei „Spuckversuchen" pro Teilnehmer. Am 31. Juli werden sich auch heuer wieder ehrgeizige „Weitspucker" und „Weitspuckerrinnen" am Annakirmes in Düren einfinden, um den derzeitigen Weltrekord von 21, 71 Meter (aufgestellt 2003 vom siebenmaligen Weltmeister Oliver Kuck) zu überbieten. Der Rekord bei den Frauen liegt zurzeit bei 15, 23 Meter (aufgestellt ebenfalls 2003 von Conchita Kohler aus der Schweiz).

Wie man sieht, den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des runden Früchtchens sind keine Grenzen gesetzt.

 

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