Kindermund ist ungesund

Kleine Mädchen als unsterbliche Vampire: "So finster die Nacht" macht aus dem Klischee eine fragile Liebesgeschichte.

Kleine Mädchen als unsterbliche Vampire: So finster die Nacht macht aus dem Klischee eine fragile Liebesgeschichte.

Text Peter Hiess Fotos beigestellt

Vielleicht ist es Ihnen nicht erspart geblieben und Sie mussten sich vor Monaten mit ihrem Emo-Nachwuchs im Kino die Romantik-Blutoper Twilight – Biss zum Morgengrauen ansehen. Glauben Sie jetzt nur nicht, damit wäre schon alles zum Thema „Minderjährige und Vampirismus“ gesagt! Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson verleiht dem Genre mit So finster die Nacht (das im Original im Übrigen den wesentlich ­intelligenteren Titel Let the Right One in trägt) entscheidende – und originelle – neue Impulse.

„In Schweden, nein, da gibt es absolut keine Vampirtradition“, sagt Anderson im Interview zu seinem Film. „Aber wenn man’s recht bedenkt, sind die Dunkelheit, die Kälte und die Landschaft eigentlich die perfekte Umgebung für einen Vampir.“ Das war auch der Grund, warum er sich daran machte, John Ajvide Lindqvists Roman-Bestseller So finster die Nacht aus den 1980er-Jahren in kühler und düsterer Optik auf die Leinwand zu bringen.

Der Streifen erzählt die Geschichte des 12-jährigen Oskar, der einer Problemfamilie entstammt, eine blonde Mädchenfrisur trägt und von seinen Mitschülern gehänselt und gequält wird. Oskar hat keine Freunde – bis Eli, ein mysteriöses Mädchen von „zwölf Jahren, mehr oder weniger“, in sein Leben tritt. Beide hausen im selben traurigen Wohnblock in der Vorstadt Stockholms und sind einsam, obwohl Eli einen erwachsenen Begleiter hat, der mehr als unheimlich (und in Wahrheit ihr Sklave) ist. „Wir können keine Freunde werden“, sagt sie, der selbst die eisigste Kälte nichts ausmacht und die Blut zum Überleben braucht. Der wahre Horror in Andersons Film hat aber weniger mit dem roten Saft zu tun, sondern mit dem Innenleben Oskars, der seinen Zorn auf die Umwelt bisher nie aus­leben konnte, in Eli jedoch ein ungesundes Vorbild findet.

So finster die Nacht. Regie: Tomas Alfredson. Mit: Kare Hedebrant, Lina Leandersson. Kinostart: 1. Mai

Mehr Film-Tipps finden Sie in der aktuellen Ausgabe der WIENERIN.

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Eli ernährt sich von jungem Blut, das sie sich selbst aus den Arterien ihrer Opfer holt. Nur Oskar verschont sie.


Mehr zum Film:

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