Kindergärtnerin verklagt, weil Kind sich beim Rutschen verletzte

Kinder dürfen nicht alleine rutschen, wenn keine Aufsichtsperson daneben steht. Zu diesem Schluss kam der OGH, nachdem sich eine Fünfjährige beim Turnen im Kindergarten verletzt hatte.

Weil seine fünfjährige Tochter sich im Turnunterricht verletzt hatte, forderte ein Vater 15.000 Euro Schadenersatz plus Haftung der Kindergartenpädagogin für alle in Zukunft aus dem Unfall resultierenden Folgen.

Eine Kindergärtnerin, 21 Kinder

Was war passiert: Die Kindergärtnerin hatte eine Langbank auf etwa 1,20 Meter Höhe in einer Sprossenwand eingehängt und die Kinder diese runterrutschen lassen. Auch während die Pädagogin nicht direkt daneben stand und anderweitig im Raum beschäftigt war, durften die Kinder rutschen. Zum Zeitpunkt des Unfalls beaufsichtigte die Kindergärtnerin 21 Kinder alleine.

Wie die Tageszeitung Die Presse in ihrer Ausgabe vom 18. September 2017 berichtet, machte der Anwalt des beim Rutschen verletzten Mädchens eine Verletzung der Aufsichtspflilcht geltend. Das Grazer Landesgericht hatte die Klage abgewiesen, das Oberlandesgericht Graz stimmte jedoch zu und sah die Klage als gerechtfertigt an.

Verletzung der Aufsichtspflicht gegeben

"Das Maß der Aufsichtspflicht bestimmt sich danach, was angesichts des Alters, der Eigenschaft und der Entwicklung des Aufsichtsbedürftigen vom Aufsichtsführenden vernüftigerweise verlangt werden kann", erklärt der Oberste Gerichtshof (OGH). Man müsse darauf abstellen, wie sich ein "maßgerechter" Mensch in der Situation der Kindergärtnerin verhalten hätte.

Auf den konkreten Fall umgemünzt bedeutet das dem OGH zufolge, dass die Kindergärtnerin die Kinder nicht hätte rutschen lassen dürfen, wenn sie nicht daneben steht, dem Mädchen steht deshalb Schadenersatz zu.

 

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