"Kinder? Jetzt möchte ich noch Karriere machen!"

Im ersten Teil der WIENERIN Stimmen haben wir euch gefragt: "Mutter sein, Frau bleiben - geht das?" Userin Soulwhisper hat beruflich noch einiges vor, bevor sie Kinder bekommt - und keine Lust, sich dafür ständig zu rechtfertigen.

Im Rahmen der Serie WIENERIN Stimmen laden wir UserInnen ein, ihre Gedanken mit anderen WIENERIN-LeserInnen zu teilen. Das aktuelle Thema: "Mutter sein, Frau bleiben - Geht das?". Mehr Infos zu WIENERIN Stimmen am Ende dieses Userinnen-Textes.

Ich bin 32 Jahre alt, ich habe berufsbegleitend meine Matura nachgeholt und danach studiert. Wie die meisten Frauen habe ich immer eine gewisse Vorstellung davon gehabt, wie denn mein Leben mal sein wird. Das sah so aus: erfolgreiche Karriere, mit dem Mann meiner Träume verheiratet und mit 29 Mama. Kennt ihr? :-) Tja ... Nicht mal eine Katze weit und breit zu sehen :). Ich arbeite für einen internationalen Konzern, mit dem Ziel, die Karriereleiter weiter hochzuklettern, habe ich die letzten Jahre viel Energie in meine Arbeit hineingesteckt. Ich stehe derzeit beruflich nun vor genau dem Schritt, auf den ich schon lange gewartet habe. Plötzlich merke ich, wie sich um mich herum alles bezüglich eines bestimmten Themas geändert hat: Kinder! Ich werde plötzlich non-stop gefragt: "Wann ist es denn bei euch soweit?", "Plant ihr eigentlich schon ein Baby?". Meine Mutter und Schwester, die immer sehr locker waren und stets gesagt haben, ich soll mir Zeit lassen, das Leben genießen, dass heutzutage alles anders ist und man sich ruhig die Zeit nehmen soll ... sogar die scheinen von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Sätze wie: "Na ja, langsam solltest du wirklich über ein Kind nachdenken", "Du bist auch nicht mehr die Jüngste" (bei dem Satz springe ich auf sie drauf, ziehe sie an den Haaren, verpasse ihnen einige Watschen und schreie: ICH bin jung verdammt und das ist MEINE Entscheidung!!!! - natürlich nur in meiner Fantasie).

Ich stecke das mit lockeren Sprüchen weg, ABER ich merke, wie das dennoch etwas in mir auslöst. Ja, es ist definitiv so, dass ich mich seit ca. einem Jahr mehr mit dem Thema Kind angefreundet habe, besser gesagt kann ich es mir jetzt vorstellen. Ich sehe einfach oft, was passiert, wenn Frauen aus der Karenz kommen: Sie können nicht mehr einen 40-Stunden-Job machen und dementsprechend bekommen sie auch nicht wirklich wieder eine gleichwertige Stelle zu der, die sie eventuell zuvor hatten.

Ich will Karriere - und bin deshalb keine "Business Bitch"!

Ich habe jahrelang während meines Studiums die Freitagabende, an denen all meine Freunde ausgegangen sind, ausgelassen, da ich am nächsten Tag Vorlesungen oder Prüfungen hatte. Ich habe dieses Studium neben meinem Job gemacht und es war alles andere als leicht, aber ich habe es gemach,t weil ich gewusst habe, dass mir diese Ausbildung später mehr Türen öffnen kann. Verdammt, ich will, dass sich das ausgezahlt hat, pfeif auf den Titel auf der Visitenkarte, ich möchte mich weiterentwickeln, etwas bewegen!
Also nehme ich mir bitte die Freiheit, wenn es kein Problem ist für all die, die ja denken, ich soll jetzt dann bald ein Baby bekommen, und sage: Ich möchte noch Karriere machen! Ich habe das Gefühl, man wird, wenn man das als Frau so geradeaus sagt, gleich als "Business bitch" abgestempelt. Es geht nicht darum, dass der Job für mich an erster Stelle steht, aber sehr wohl darum, dass ich jetzt die Möglichkeit wahrnehmen kann und ich möchte mir meine Wünsche zu erfüllen ohne auf jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Als geborene Löwin weiß ich nämlich jetzt schon, dass meine Kinder für mich die höchste Priorität haben werden.

Ich denke mir also: Wann, wenn nicht jetzt?! Denn machen wir uns nichts vor: Wenn du vor deiner ersten Karenz nicht schon die Karriereleiter etwas hochgeklettert bist, wirst du es erst recht nicht tun, wenn du 20 oder 30 Stunden nach der Karenz zurückkommst. Kann man natürlich nicht pauschalisieren.

Ich treffe meine Lebensentscheidungen selbst!

Ich hatte letzten Samstag meinen zweieinhalbjährigen Neffen bei mir, ein zum Anbeißen süßer, herziger kleiner Satansbraten. Ich war am Abend erledigt, ich habe meiner Schwester im Spaß am nächsten Tag gesagt, dass ich nach dem Tag definitiv weiß, dass ich mir mit einem Baby noch Zeit lassen möchte. Ihre Antwort: "Sag so etwas bitte nicht, sei nicht so egoistisch. Mit den eigenen Kindern ist es wieder was anderes". Oh my god. Ich habe doch nicht gesagt, dass ich keine Kinder will, auch nicht, dass ich sie schrecklich finde. Ich habe doch wohl das Recht, für mich zu entscheiden, dass ich gerne noch bewusst die Zeit genießen möchte, in der ich eben nicht diese Verantwortung und Verpflichtung habe! Das wird doch wohl erlaubt sein?!

Vor einigen Monaten hatte ich eine kleine berufliche Krise und eine Kollegin meinte, ich solle doch schwanger werden, auf was ich noch warten würde, es wäre jetzt, wo ich gerade beruflich die Nase voll habe, der beste Zeitpunkt. Meine Fantasie meldete sich auch hier sofort und machte ein paar unschöne Dinge mit ihr. Nein, ich werde nicht schwanger werden, weil ich beruflich nicht zufrieden bin.

Von meinen früheren Vorstellungen, wie mein Leben aussehen sollte habe ich euch am Anfang geschildert. Vieles davon ist bei weitem nicht eingetreten, aber einer Sache bleibe ich treu - weil ich von ihr überzeugt bin und sie für mich nur so richtig ist: Ich werde mich irgendwann aus folgenden Gründen für ein Baby entscheiden - aus purer Liebe für den Mann, bei dem ich das Gefühl habe "YES, the love of my life" (Katze gibt es keine aber ihn gibt es tatsächlich ) und weil wir beide gemeinsam entscheiden, dass wir uns ein Kind wünschen. Wie seht ihr das Ladies? Seid ihr manchmal im beruflichen Leben in einer Situation, in der ihr euch denkt: "Ach, eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt schwanger zu werden."? So, ich bremse mich jetzt ... könnte noch ewig schreiben.

Eines aber noch zum Abschluss: Liebe neugierige Bekannte, Freunde, Kollegen, Menschen: Jemanden zu fragen, wann sie oder er denn Nachwuchs bekommt, warum sie noch keinen haben oder ähnliches - dieses Thema ist eigentlich so etwas Intimes und Privates. Vielleicht fragt ihr in dem Moment Menschen, die es schon lange versuchen, es aber nicht klappt, eine Frau die eine Fehlgeburt hatte usw. und genau da streut ihr Salz in eine offene Wunde. In diesem Sinn: “You must never be fearful about what you are doing when it is right.” Flüstert mir meine Seele immer wieder im Leben zu ;-) Küsse, Soulwhisper

Was bringt dich auf die Palme? Wofür bist du dankbar? Was lässt dich nicht kalt? Die WIENERIN sucht Community-AutorInnen, die ihre Gedanken mit anderen UserInnen teilen möchten.

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