Kind verhungerte fast wegen mangelhafter, veganer Ernährung - nun wurden die Eltern verurteilt

In Schweden haben Eltern ihre eineinhalb Jahre alte Tochter mangelhaften vegan ernährt. Das Mädchen wäre daran fast gestorben. Ein Gericht verurteilte die Eltern nun wegen grober Fahrlässigkeit zu einer Haftstrafe.

Im Februar brachten zwei Eltern ihre 17 Monate alte Tochter in ein Kinderkrankenhaus im schwedischen Göteborg. Das Mädchen war bewusstlos, die ÄrztInnen stellten eine gravierende Unterernährung und Hirnblutungen fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war sie "nur wenige Stunden vom Tod durch Unterernährung" entfernt. Die Eltern bestritten das - sie meinten, ihre Tochter hätte lediglich Bauchschmerzen.

Gericht bestätigt Mangelernährung

Ein Gericht in Göteburg bestätigte nun die Einschätzung der MediznerInnen: Der Zustand des Mädchens ist nicht durch eine Krankheit verursacht worden, sondern durch monatelange Mangelernährung. Richter Per Nordén wies darauf hin, dass das Mädchen in Obhut schnell wieder an Gewicht zugenommen und sein Zustand sich verbessert habe. Bei der Einlieferung wog das Kind nur 6,3 Kilo, normal sind in diesem Alter neun bis fünfzehn Kilo. Der Richter verurteilte die Eltern zu drei Monaten Haft.

"Alles ist giftig"

Die Staatsanwaltschaft forderte eine mehrjährige Haftstrafe für Vater und Mutter, das lehnte der Richter aber als unzumutbar ab. Die schwere Körperverletzung sei fahrlässig verursacht worden. Die Eltern, die laut eigener Aussage als Nomaden leben, hätten aber dennoch die Pflicht gehabt, für das Wohl ihres Kindes zu sorgen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei das Mädchen hauptsächlich von Muttermilch, Reis, Obst und Gemüse ernährt worden. Alle anderen Nahrungsmittel halte der Vater für "giftig". Die Mutter sei überdies der Meinung, sich nur von Luft ernähren zu können und weder auf Nahrung, noch auf Flüssigkeit angewiesen zu sein. Die Eltern hätten ihre Tochter grob vernachlässigt. "Sie haben das Baby von allen Gesundheitskontrollen ferngehalten. Stattdessen hat der Vater dazu alles gelesen und sich in der Lage gesehen, für die Gesundheitsfürsorge des Kindes zuständig zu sein", sagte der Richter. "Er hat offensichtlich eine völlig unvernünftige Einstellung zu seinen eigenen Fähigkeiten gehabt."

Die Eltern haben ihre dreimonatige Haftstrafe bereits in der Untersuchungshaft verbüßt. Sie müssen ihrer Tochter allerdings ein Schmerzensgeld von 60.000 Schwedischen Kronen (das sind etwa 5.500 Euro) zahlen. Ob das Kind weiter bei seinen Eltern leben darf, muss noch ein anderes Gericht entscheiden.

 

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