Killing Them Softly

Wer Gangster beklaut, hat’s wohl nicht anders verdient, oder? Die Mafia setzt einen Elitekiller (Brad Pitt) auf jene Clowns an, die den Mob um 50.000 Dollar erleichtert hat ... Neo-Noir-Thriller mit James Gandolfini, Ray Liotta und Richard Jenkins.

Erbärmlich: In Zeiten der Krise sitzen sogar bei der Mafia nur Buchhalter-Seelen! Seit das organisierte Verbrechen in New Orleans von Bürokraten unterwandert ist, gerät sogar ein so todsicheres Business wie ein gut geplanter Auftragsmord ins Stocken.

Killing Them Softly

Ausgerechnet beim mit einem Dreifachmord beauftragten Profi Jack Cogan (Brad Pitt) will das Syndikat den Sparstift ansetzten. Dabei ist Cogan die letzte Rettung des Mobs von New Orleans und bekannt dafür noch schärfer zu kalkulieren als zu schießen. Vor kurzem wurde eine von der Mafia organisierte, illegale Pokerrunde überfallen. 50.000 Dollar haben die frechen Räuber den Karten spielenden Gangstern abgenommen und damit die Glaubwürdigkeit des Syndikats untergraben. Eine Blamage, die Strukturen der Unterwelt völlig auf den Kopf stellt. Denn die Diebe waren zwei frisch aus dem Knast entlassene, unterbelichtete Amateure. Frankie (Scott McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn) heißen die zwei Würstchen und sind Witzfiguren von der untersten Sprosse der kriminellen Karriereleiter. Normalerweise dürfen solche Grünschnäbel nicht einmal die Stiefel eines Mafia-Bosses lecken.

15000 Dollar soll Cogan dafür kassieren, um Frankie, Russell und ihrem geheimen Auftragsgeber das Licht auszublasen. Wenn's nach dem Willen des Syndikats geht, gäb's dafür sogar noch viel weniger Kohle. Dass dabei möglicherweise ein Unschuldiger draufgeht, gehört zu Geschäft. Die Zeit drängt, denn die Ehre der Mafia muss wieder hergestellt werden. Um sicher zu gehen, dass alles glatt über die Bühne geht, holt sich Cogan mörderische Verstärkung aus New York: Die Killermaschine Mickey (James Gandolfini). In New Orleans angekommen, stellt sich heraus, dass Mickey sich mehr für Schnaps und Huren interessiert als für sein blutiges Handwerk. Gibt's doch eine Chance für die Kleinganoven, die die Mafia aufs Kreuz legen wollten ...?

Nix für Zartbesaitete. Wem darauf wartet, dass die Mafia ihre abtrünnigen Mitglieder mit einer Familientherapie und anschließender Gruppenumarmung belohnt, ist definitiv im falschen Film. Blei tanzt in Zeitlupe durch Autofenster und landet unsanft auf den beweglichen Zielscheiben und auch das Blut fließt nicht zu knapp in cooler Choreografie durch die schräge Dialoge voll bitterer Wahrheiten oder wahrer Bitterkeit.
Das Spiel von Ray Liotta, James Gandolfini, Richard Jenkins, Brad Pitt, Sam Shepard und den Newcomern Scott McNairy und Ben Mendelson ist so überzeugend, dass sie die Mafia jederzeit OHNE Aufnahmeritual in ihre Dienste nehmen würde.
„Schon mal wen umgelegt? Das wird oft so gefühlsduselig. Ein großes Gewinsel. Die heulen betteln, flehen und rufen nach ihrer Mami. Sie sanft zu töten ist mehr mein Ding. Aus der Ferne. Nicht nah genug für Gefühle.“
 

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