Kickboxen - Liebe auf den ersten Schlag

Yoga ist gut und schön, manchmal will man aber halt einfach nur draufhauen. Sprach WIENERIN-Redakteurin Katrin Halbhuber und startete mit ihrem ersten Kickbox-Training.

Mein erster Gegner: Der Spiegel. Trainer Tom ordnet eine Runde Schattenboxen an, am großen Spiegel, der den ganzen Trainingsraum im Blick hat, kommt man dabei nicht vorbei. Leider. Ich habe noch nie so blöd ausgesehen. Und muss lachen. Nina, die mit mir heute die Einheit „Managerinnen Boxen“ macht, erkennt meinen Gesichtsausdruck und meint: „Das kommt einem auch nach einem Monat noch komisch vor!“

Ich absolviere gerade die erste Kickbox-Trainingsstunde meines Lebens bei den mindkick Ladies, einem Training nur für Frauen. Das Studio, das zum Boxklischee passend unterhalb des Gehsteigniveaus liegt, ist recht spartanisch, aber ich bin ja schließlich nicht für Deko-Tipps hier. Der große Trainingsraum ist mit grauen Matten ausgelegt, am gegenüber des Eingangs hängen vier riesige Boxsäcke von der Decke. Ich bin aufgeregt, ein bisschen nervös, und schon jetzt wahnsinnig schlagfreudig.

Kickboxen, ein Sport für Hirn und Hintern

Ich schattenboxe also und schlage einfach mal so in die Luft, wie Rocky mir das damals vorgemacht hat, und hüpfe dazu ein wenig hin und her. Tom, der nicht nur uns, sondern auch die jugendlichen Häftlinge in der Justizanstalt Gerasdorf trainiert, packt die Coaching-Keule aus: Er spricht von dem Willen, etwas zu schaffen, von dem Weg dorthin. Ich kann ihm ehrlich gesagt schwer folgen, während ich mich dehne und aufwärme. Leichter wird es da schon bei der nächsten Übung, die Hirn und seitliche Rumpfmuskulatur gleichermaßen auf Touren bringen soll: Nina und ich stehen schulterbreit vor Tom und sollen unsere seitlich ausgestreckten Arme und den Oberkörper nach hinten drehen, soweit es ohne Anstrengung klappt, und uns den Punkt merken. Beim nächsten Durchgang sollen wir uns einen Punkt vornehmen, der 110 Prozent Anstrengung verlangt. Ich kneife die Augen zusammen und visualisiere. Und komme mit meiner Hand zum geplanten Punkt. Durchgang drei heißt, nochmal bis zum ersten Punkt zu gehen. Was sich plötzlich zu einfach anfühlt. Das Lebensmotto, dass sich aus dieser Übung ergeben soll, erschließt sich mir trotzdem nicht ganz. „Du schaffst es weiter, als du glaubst“? „Ein bisserl was geht immer noch“? LASST MICH ENDLICH AUF DIESEN SANDSACK SCHLAGEN.
Aber nicht so schnell. Vorher kommt noch eine Frage an die Motivation: Wie viel Prozent wir heute geben wollen. Ich antworte mit einem Schulterzucken „na 100“ und weiß nicht, was ich da eben gesagt habe.

Es folgen 45 Minuten Schweiß. Wir schlagen auf Toms Hände, an denen er sogenannte Pratzen trägt, wir schlagen auf die großen Boxsäcke, wir schlagen in die Luft. Mit den Händen, mit den Knien, mit den Füßen. Dazwischen Burpees, Sit-ups (wow, so viele schaff ich?! – was wären die großen Erfolge ohne die kleinen), Liegestütz, Kniebeugen, nochmal Burpees. Ich bin überrascht, wie unterschiedlich kräftig meine Arme sind – ich bin Rechtshänderin und mein linker Arm ist eine Blamage, obwohl ich damit meine elf Monate alte Tochter durch die Gegend trage. Ist das denn trainingstechnisch für gar nix gut?, frage ich. Andere Belastung, erklärt Tom lapidar. Pff.
Sobald ich nachlasse, um Luft zu holen, hab ich Tom im Nacken und werde an die großspurigen 100 Prozent erinnert.

Kickboxen bei mindkick Ladies im Test

Ich bin fix. Und. Fertig. Ich kann meine Hände kaum heben, bin hochrot im Gesicht und verfluche meine Stirnfransen, die irgendwo herumfliegen. Und ich habe mich schon lange nicht mehr so gut fertig gefühlt.

Die erste Frage meiner Freundinnen, als ich ihnen, noch immer voll mit jeglichen Hormonen, die nach Sport so ausgeschüttet werden, vom Training erzähle: „Und, an wen hast du gedacht, als du auf den Sack geschlagen hast?“ Ha. Ich grinse nur. Das bleibt mein Geheimnis. Aber ich freu mich definitiv schon wieder aufs nächste Mal.

Fazit: Hart, aber fair

Atmosphäre: Super! Das Beste am mindkick Ladies-Studio ist die Gruppendynamik in den Stunden: Unterschiedlichste Frauentypen, jeder Neuankömmling wird sehr herzlich aufgenommen. Trotz ungleicher Fitness-Niveaus fühlt sich niemand ausgegrenzt, Neid gibt’s hier nicht. Man fühlt sich sehr willkommen, was nicht zuletzt am Engagement der Chefs Beate und Tom liegt.

Fitness-Effekt: Es ist Boxen, es ist Zirkeltraining, es geht ordentlich zur Sache. Und jeder, egal wie fit, ist nach 45 Minuten patschnass geschwitzt. Für mich am schwierigsten: Die Koordination der Bewegungsabfolgen, die die Trainer nur per Pratzen-Position anzeigen– da schnell genug zu schalten und zu wissen, welcher Schlag gefragt ist, fordert auch den Kopf ganz schön heraus.

Durchhaltevermögen: Wem Kickboxen als Fitnesstraining gefällt, der bleibt wohl auch dabei. Und das mindkick-Ladies-Team sorgt schon dafür, dass sich der Schlendrian nicht einschleicht: Wer nach einer Woche Trainings-Abstinenz einen Anruf bekommt, der mit den Worten „Hallo Katrin, hier spricht dein innerer Schweinehund!“ beginnt, dem dient das schlechte Gewissen als beste und vor allem unmittelbare Motivation.

Das mindkick-Ladies-Team rund um Thomas und Beate Bencsik bietet ein abgerundetes Programm für Frauen: Kickboxen, Selbstverteidigung, Yoga. Thomas, ehemaliger österreichischer Nationalteamtrainer und Staatsmeister im Kickboxen hat langjährige Erfahrung mit Mixed Martial Arts, Kickboxen und Muay Thai. Er war jahrelang Lektor für Selbstverteidigung an der Universität Wien und ist darüber hinaus Sportpsychologe und Mentaltrainer für die Justizanstalt und die U.N.

Anmerkung: Das Probetraining, das auch die Autorin absolviert hat, ist nach Anmeldung für Interessierte kostenlos.

mindkick Ladies, Lammgasse 10, 1080 Wien, Tel. 0699/19 09 74 75
Infos zu Kursen und Kosten unter www.mindkickladies.at und auf facebook.com/mindkickLadies.

 

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