Keine Lehrerin will Dienerin ihrer Schüler sein

Selbstständig sein? Ist grad nicht unbedingt die Stärke ihrer Schülerschaft, sagen die Lehrerinnenfreundinnen von WIENERIN-Kolumnistin Ursula Neubauer. Warum sie aufpassen müssen, um nicht das Personal ihrer SchülerInnen zu werden ...

Während ich, als ich für kurze Zeit unterrichtet hab, schon von Fragen wie "Mit welcher Farbe soll ich das im Schulübungsheft unterstreichen?" ein bissl genervt war (weil: Is ja wirklich wurscht, es sei denn, es geht ums Satzgliederbestimmen), erzählen mir meine Lehrerinnenfreundinnen, dass die Schülerschaft in diesem Land seither nicht grade selbstständiger geworden ist. Das bringt vielen Kindern nämlich irgendwie niemand (mehr) bei. Vielen von ihnen wird alles alles abgenommen. Das ist natürlich gut gemeint ...

Manchmal müssen meine Lehrerinnenfreundinnen aber jetzt aufpassen, nicht zum reinen Personal ihrer SchülerInnen degradiert zu werden. Freundin T. erzählte letztens von einer Exkursion ins Theater - mit einer Unterstufenklasse war sie in Graz und Rucksäcke mussten vor der Vorstellung an der Garderobe abgegeben werden. Am Ende der Vorstellung, kamen zwei Burschen auf T. zu und fragten: "Holen Sie uns die Rucksäcke jetzt?"

Lehrerinnen als Auskunftsbüro

Und M., sie unterrichtet Mathe, hat erzählt: "Letztens in der Stunde hatte ein Bub die Hausübung nicht. Ich hab natürlich gefragt, wieso nicht. Darauf er: Ich wusste nicht, was auf war." Danach meinte M., dass er doch jemanden anrufen und nachfragen hätte können. Der Schüler schaute M. mit großen Augen und viel Unverständnis an und meinte: "Ja, aber ich hab Ihre Telefonnummer ja nicht!"

Tja, vielleicht bräuchte einfach jedes Kind eine eigene Betreuungsperson oder persönliche Assistentin ... Ich hätte dann eigentlich auch gern eine, wenn ich mir das recht überlege ...

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

 

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