Keine Frau in oberösterreichischer Regierung: Was läuft falsch?

Neun Regierungssitze in Oberösterreich, davon neun von Männern besetzt. Soll die Zukunft der österreichischen Politik so aussehen? WIENERIN-Redakteurin Arnika Zinke gibt das zu denken.

Gestern Nachmittag entschied das oberösterreichische ÖVP Team in einer internen Diskussion, welcher der fünf VP-Landesräte der vorhergegangenen Legislaturperiode seinen Regierungssessel aufgrund der Wahlverluste abgeben muss.

Wie bereits viele Medien seit Tagen befürchteten, fiel dieser Dezimierung Landesrätin Doris Hummer zum Opfer - nicht sonderlich respektabel, wenn man bedenkt, dass damit die einzige (ÖVP-)Politikerin nach nur einer Legislaturperiode aus der Regierung geworfen wurde.


Eine ganze Landesregierung ohne weibliche Beteiligung

Auch wenn sich FP-Chef Haimbuchner auf Grund dieser Tatsache laut standard.at-Kommentar von Markus Rohrhofer "Keine Frauendebatte umhängen lassen möchte", ist diese in der österreichischen Politik eigentlich schon längst überfällig.

Wieso sollten sich österreichische Betriebe eine mögliche Quotenpolitik vorschreiben lassen, wenn die eigene Regierung eine kontinuierliche Verdrängung von weiblichen Politikerinnen in Spitzenpositionen vorlebt?

Es wird endlich Zeit, mehr Frauen in die Politik zu lassen: Frauen, die beweisen, dass das Modell "Frauen an den Herd" eben wirklich Schnee von gestern und nicht gelebte Praxis ist. Frauen, die sich dafür einsetzen, dass nicht 96 Prozent der Vorstände in börsennotierten Unternehmen in Österreich von Männern besetzt werden.


Umdenken, bitte!

Was läuft falsch, wenn es in die oberösterreichische Regierung nicht einmal eine Frau schafft? Liegt das wirklich an fehlendem weiblichen Politik-Nachwuchs? Oder an der Machtgeilheit männlicher Counterparts?

Es ist Zeit, die einzig entscheidene Gemeinschaft in der Regierung angemessen zu repräsentieren: die Wähler UND Wählerinnen.
von WIENERIN-Redakteurin Arnika Zinke


Vielleicht wäre es Zeit, einfach umzudenken. Gerade die Großparteien, die sich in allen Bundesländern im Wählersinkflug befinden, sollten endlich einen Kurswechsel andenken. Anstatt auf die Wünsche und Protegés der VP-nahen Bünde und Vereine Rücksicht zu nehmen, ist es Zeit, Realpolitik zu machen und anzufangen, die einzig entscheidene Gemeinschaft in der Regierung angemessen zu repräsentieren: die Wähler und Wählerinnen.

Denn, wenn mehr als 560.000 Frauen (knapp über 50%) bei den oberösterreichischen Landtagswahlen wahlberechtigt sind, dann darf es nicht akzeptabel sein, dass diese in der Regierung ausgeklammert werden, als wären sie unbedeutende Minderheit.

Es reicht nicht, ständig davon zu reden, wie wichtig Frauen in der Politik sind und wie viel in Zukunft frauenpolitisch passieren wird. Es ist Zeit, endlich umzusetzen, was seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholt wird.

Im Jahr 2000 (!) schrieb Pühringer in einer Presseaussendung der ÖVP:

"Die ÖVP macht nicht Politik für Frauen, sondern mit Frauen!"

15 Jahre später ist davon leider wenig zu bemerken.

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