Keine Angst vor Aktien: "Portfolio-Sprache" ist lernbar!

WIE BITTE? Über Geld spricht man nicht? Doch. Und zwar hier. Barbara Haas fragt die besten Finanzexpertinnen so lange, bis sie alles weiß, was uns vermögender machen kann.

Aktien für Anfänger

Bereits mit 14 Jahren kaufte Larissa Kravitz ihre ersten Aktien. Sie studierte Bank-und Finanzwirtschaft in Wien sowie Quantitative Trading und Financial Engineering in Monaco. Mit 25 baute sie ein Unternehmen auf, mit 32 war sie Aufsichtsrätin der Immofinanz. Seit Sommer 2019 hat sie sich mit einer neuen Idee selbstständig gemacht: Sie will die finanzielle Autonomie von Frauen durch Bildung stärken. Das macht sie als Buchautorin (Money, honey!), mit Workshops und in ihrem Podcast.

WAS IST DENN EIN PORTFOLIO FÜR FAULE?

WIENERIN:Liebe Larissa, ich habe vom "Couch- Potato-Portfolio" gelesen -du hast es "Patschen-Portfolio" genannt, es soll eine Anlageform für Faule und Unwissende sein. Was ist das genau?

Larissa Kravitz: Das Patschen-Portfolio ist ein einfaches Einsteigerinnenportfolio, das ganz gut für diejenigen geeignet ist, die investieren wollen, aber sich noch nicht so gut auskennen. Es ist einmal ein Anfang für die Altersvorsorge.

Wie viel Geld pro Monat oder am Stück muss ich lockermachen, damit sich das auch irgendwie auszahlt?

Ich muss wissen, was ein ETF ist -das ist ein börsengehandelter Fonds - und wie ich mein Depot verwende. Die Auswahl der ETFs kann am Anfang ganz einfach erfolgen, etwa indem ich mir einen ETF auf einen großen internationalen Index als Aktien-oder Anleihenkorb kaufe. Wie viel ich investieren muss, hängt vom Alter ab. Zehn Prozent des Nettogehalts sind ein guter Richtwert, um im Alter echt etwas davon zu haben.

Für viele ist ja der Gedanke, ständig so was wie ein Portfolio überwachen zu müssen, die große Bremse, überhaupt zu starten. Beispiel: Ich interessiere mich für nachhaltige Unternehmen, in die will ich investieren. Wie geht's weiter?

Mit einem Onlinebroker, die sind oft günstiger als die Geschäftsbanken, deswegen hat es bei kleinen Summen Sinn, dort ein Depot zu eröffnen. Und noch mal zur Höhe: Ein Investment von zehn Prozent des Nettogehalts pro Monat wäre ideal, aber wenn das nicht geht, kann man auch mit einer kleineren Summe beginnen. Diese erhöht man idealerweise, wenn man mehr verdient. 50 Euro im Monat sollten es aber mindestens sein.

Verstehe. Und noch mal kurz: Was ist ein Onlinebroker?

Das ist ein Finanzdienstleister, heute oft eine App. Damit kann ich meine Aktien kaufen und verwalten.

JETZT EINSTEIGEN? ECHT?

Du bist recht früh in die Welt der Aktien eingestiegen, hast deine ersten bereits mit 14 Jahren gekauft. Was ist dein Rat in der jetzigen Situation: Aktien - ja oder nein?

Meine Eltern arbeiteten beide in Banken und mein Vater war Aktienhändler. Als kleines Mädchen hörte ich manchmal bei seinen Kundengesprächen mit. Für mich hörten sie sich nach Gesprächen mit Freunden an. Da dachte ich mir: "Den ganzen Tag mit Freunden reden und viel Geld verdienen -cooler Job!" Zur Zeit der New Economy hatte ich noch keine Ahnung und habe selbst mein Geld auch wieder verloren. Damals wusste ich ja noch nicht, wie man Risiken absichert und in einem Crash agiert. Das habe ich zum Glück damals dann gelernt. Deswegen fürchte ich mich heutzutage vor Crashs nicht - im Gegenteil, sie sind jetzt eine riesige Chance für mich.

Bitte erklär mir doch, wo du die Chancen von Crashs siehst. Ich meine, das scheint mir doch schon mit Risiko verbunden zu sein. Glaubst du wirklich, dass Risiko kontrollierbar ist? Ich sage nur Corona ...

Die Chance in einem Crash ist, dass man tolle Unternehmen plötzlich um 30 Prozent billiger bekommt. Ein Crash ist somit eine tolle Einstiegschance. Man kann ein konkretes Risiko nicht antizipieren, aber man kann sich allgemein gegen alle möglichen Risiken schützen, indem man eine Stopp-Loss-Order setzt: Dabei werden die Wertpapiere automatisch verkauft, wenn sie unter einen vordefinierten Wert fallen. Somit kann ich mein Risiko auf zum Beispiel zehn Prozent limitieren. Dann muss ich auch nicht darüber nachdenken, was passieren könnte -bin aber in dem Fall, dass irgendwas Gröberes passiert, vor einem großen Verlust geschützt.

DER GRÖSSTE VORTEIL

Frauen scheuen oft vor Aktien zurück -auch, weil ihnen als Kindern kein gesundes Verhältnis zu Geld vermittelt wurde. Die "Money Talks" werden auch heute noch eher mit Jungs geführt. Also sag mal: Was ist denn der ultimative Vorteil für Frauen, einen Teil ihres Geldes in einem ETF-Portfolio anzulegen?

Der ultimative Vorteil ist finanzielle Autonomie, die man dadurch mit relativ wenig Aufwand erreicht. Als Frau braucht man ein eigenes Investmentportfolio - nicht nur zur Altersvorsorge, sondern auch, um eine schlechte Beziehung einfach verlassen zu können, ohne dann vor dem Ruin zu stehen. Frau ist dann in einer besseren Verhandlungsposition.

Das klingt echt nach einem unschlagbaren Vorteil. Danke, liebe Larissa, für deine Insidertipps!

BIN ICH SCHON ZU ALT, UM ANZUFANGEN?

Frauen sind bei uns oft von Altersarmut betroffen. Wann muss ich mit Aktien beginnen, damit sich das auszahlt? Kann man auch zu alt dafür sein?

Mit einem Altersabsicherungsportfolio sollte man am besten beginnen, wenn man mit der Ausbildung fertig ist und den ersten Job hat. Mit einem Couch-Potato-Portfolio kann ich Renditen von 3,5 bis fünf Prozent pro Jahr generieren. Damit kann ich etwa eine monatliche Zusatzpension von rund 150 Euro erhalten (Investmentzeitraum: 20 Jahre, Anm.). Ein Portfolio ist flexibel. Ich kann, wenn ich in Pension gehe, alle Wertpapiere verkaufen oder nur Monat für Monat einen Teil entnehmen.

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