Kein Schnupfen, kein Catcalling: Warum ich die Maske auch "nach Corona" tragen werde

Endlich keine nervigen Sprüche wie "Lächel doch mal!"

Kein Schnupfen, kein Catcalling: Warum ich die Maske auch nach Corona tragen werde

Seit rund einem Jahr ist der Mund-Nasen-Schutz nun unser täglicher Begleiter. Egal, ob in der Bim, beim Einkaufen oder im Café am Weg zum stillen Örtchen - die Maske ist immer dabei. Während so manche*r gar nicht oft genug betonen kann, wie furchtbar es nicht ist, die "Bappnwindl" (bzw. den "Goschnfetzn" - geht es um abfällige Beschreibungen, ist auf die Wiener*innen Verlass) ständig tragen zu müssen, finde ich die Vorstellung, bald ganz darauf zu verzichten, fast noch gruseliger.

Hallo Maske, Baba Welt

Wer sich auf der Introversion/Extraversionsskala nach C.G. Jung eher im extravertierten Bereich einordnet, wird meine nun folgende Begründung dafür, die Maske weiter tragen zu wollen, vielleicht nicht so gut nachvollziehen können. Tatsächlich ist es so, dass ich mich mit MNS bekleidet wesentlich wohler fühle, als ich es ohne tue.

Die ständige Angst, beim Stadtbummel oder auf dem Weg in die Arbeit auf Bekannte zu treffen und zu schweißtreibendem Smalltalk gezwungen zu werden, ist mit einem Mal verpufft. Was für Harry Potter sein Unsichtbarkeitsmantel ist, ist für mich mein Mund-Nasen-Schutz. Na gut, okay, ganz unsichtbar sind wir mit Maske natürlich nicht - die Rate an ungeplanten Treffen mit mehr oder weniger Bekannten hat in den vergangenen Monaten jedoch deutlich abgenommen (und das in Wien, wo ja irgendwie jeder jeden kennt, wie wir wissen).

No more catcalling

Das mit dem Unerkannt-Bleiben hat für mich noch einen weiteren, nicht zu verachtenden Vorteil: Können andere Menschen (read: Männer) mich nicht so genau erkennen, tendieren sie auch eher weniger dazu, mich unaufgefordert anzumachen, blöde Sprüche abzugeben oder mir hinterherzupfeifen (an dieser Stelle nochmal für alle: Nein, Catcalling ist kein Kompliment). Keine nervigen Kommentare wie "Na, was ist denn, warum schaust du denn so grantig?" oder "Lächel doch mal!".

Wann werden Männer endlich verstehen, dass wir nicht zur Befriedigung ihrer Wünsche und Bedürfnisse da sind und unser Aussehen sie in keinster Weise etwas angeht? Wieso sollte ich lächeln, wenn mir gerade nicht nach lächeln ist?? Nur weil du dich dann besser fühlst, Herbert?

Mit diesem Empfinden bin ich offenbar nicht allein: Als der Guardian verschiedene Menschen fragte, warum sie die Maske auch nach der Pandemie tragen wollen, erklärte die 44-jährige Aimee, dass ihr der MNS eine Art "emotionale Freiheit" gäbe. "Ich möchte nicht den Druck verspüren, die Leute anlächeln zu müssen, um sicherzustellen, dass jeder weiß, dass ich 'freundlich' und 'sympathisch' bin", sagte sie. "Es ist fast so, als gäbe es den 'male gaze' plötzlich nicht mehr. Es ist befreiend, sich diese Macht zurückzuholen."

Schnupfen? We don't know her

In der kalten Jahreszeit gehörten rinnende Nasen, Husten und Heiserkeit für mich immer dazu. Dass es auch ohne geht, hätte ich mir ehrlich gesagt nie erträumen lassen. Nach über einem Jahr ohne den leisesten Anflug eines Schnupfens, muss ich sagen: Ich will nicht mehr zurück. Nächtens seelenruhig durchschlafen, ohne von Atembeschwerden durch die verstopfte Nase geplagt aufzuwachen? I love it. Straßenbahn fahren, ohne von fremden Menschen angeniest zu werden? Yes, please!

Können wir uns bitte darauf einigen, dass wir gerade an beengten, stark frequentierten Orten auch in Zukunft Maske tragen, wenn wir uns nicht ganz so fit fühlen und andere Menschen anstecken könnten? Bittedanke.

Ich verstehe schon, dass der MNS für viele tatsächlich unangenehm (oder aus gesundheitlichen Gründen unmöglich) zu tragen ist, ich für meinen Teil habe gemerkt, dass der "Goschnfetzn" mein Leben auf die ein oder andere Weise erleichtert - und werde ihn gewiss auch "nach der Pandemie" hier und da noch ausführen.

 

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