Kein Jammern

Wir klagen - zum Glück, sagen einige Psychoanalytiker und Jammer-Forscher. Damit geben sie allerdings keinen Freibrief zum Sudern, sondern eine Anleitung: Denn richtiges Jammern will gelernt werden!

Meine Name ist Doris und ich bin süchtig! Wenn ich eines in den letzten sieben Tagen gelernt habe, dann wohl das: Gäbe es einen Selbsthilfe-Verein für "Anonyme Jammerer", ich wäre Stammbesucherin!

Wie oft ich mich in dieser Woche beim Sudern ertappt habe und wie oft ich das "No Complaint"-Armband von links auf rechts auf links gewechselt habe, mag ich mir gar nicht ausrechnen. Ich habe die Kontrolle verloren. Längst! Und wissen Sie was? Manchmal will ich es gar nicht anders! Dann genieße ich es richtig,zu raunzen, zu nörgeln, mich im (Selbst)Mitleid zu suhlen - und wehe, irgendjemand erinnert mich dann daran, dass ich doch gefälligst dankbar sein sollte. Oder dass ich doch das Positive sehen könnte. Und schon gar nicht möchte ich an meine Nicht-Jammer-Woche erinnert werden …Warum auch?!, schreit das trotzige Kind in mir und lässt Rumpelstilzchen alt aussehen. Schließlich soll jeder wissen, dass sich die Welt gerade nicht nach meinem Kopf dreht!

Vielleicht qualifiziere ich mich doch noch fürs 100-Meter-Sudern:

"Wer nicht jammert versteinert" - diese Aussage eines Psychoanalytikers ist wie Balsam für meine Raunzer-Seele. Darf ich also weitermachen wie bisher? Nicht ganz! In ihrem Buch Jammern, aber richtig!: Eine Anleitung sprechen die deutschen Coaches Franz Stauwasser und Rudolf Kraus darüber, nicht mehr passiv zu jammern, sondern das Klagen aktiv zu nutzen. Um sich selbst besser kennen zu lernen und zu entdecken, wo die eigenen Grenzen sind und was man im Leben wirklich möchte.

Mehr über richtiges Jammern finden Sie auf Seite 2 >>

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Der deutsche Kabarettist Hubert Burghardt hat eine ganz andere Vorstellung vom richtigen Jammern:

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"Wer sich gemütlich festjammert, braucht nichts zu ändern und vermeidet die Selbstkonfrontation", erklärt Ute Lauterbach, die Autorin von Jammern mit Happy End. Ihr Anti-Jammer-Rezept: Selbstmitleid und Jammeranlass völlig unverhältnismäßig übertreiben, bis beides nicht mehr richtig ernst genommen werden kann. Eine Idee, der ich einiges abgewinnen kann und die ich gleich mal ausprobiere. Nicht lange: Schon nach fünf Minuten komme ich mir einfach nur lächerlich vor. Da macht das Klagen selbst mir keinen Spaß mehr!


Fazit: Soviel wie in dieser Woche habe ich mich wohl kaum mit dem Thema Jammern auseinander gesetzt! Es hat mir gut getan - nicht nur in den Momenten, in denen ich es geschafft habe, aus der Suder-Spirale auszusteigen und mich tatsächlich auf Gutes zu konzentrieren. Auch die Momente, in denen ich mich genüsslich dem Jammern hingegeben habe. Einfach so, weil ich - ab und an - Klagen darf!

Ich werde weitermachen! Dass sieben Tage nicht ausreichen, mich meines Jammer-Ichs zu entledigen war mir irgendwie schon im Vorhinein klar. Damit bin ich offenbar nicht allein: Die Meisten, die das No-Complaint-Armband nutzen, schaffen es erst innerhalb von 4 bis 10 Monaten, 21 Tage lang nörgelfrei zu sein und somit ihr lila Bändchen nicht ständig zu wechseln. Klingt ganz schön anstrengend, aber wissen Sie was: Ich will nicht sudern! Vielmehr habe ich das Gefühl, dass mir noch eine spannende Zeit bevor steht.

 

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