Kein Jammern

Eine Woche lang nicht klagen, nicht sudern, nicht raunzen - eine Herausforderung für eine gelernte Wienerin. Dennoch wage ich den Selbstversuch und stelle fest: Es gibt sie, eine beschwerdefreie Welt.

Wer eine zeitlang vegan isst, kann prüfen, was er/sie auf dem Teller aufgetischt bekommt. Wer seine finanziellen Ausgaben kontrolliert, kann Buch führen. Aber wie stellt man es an, eine Woche kontrolliert nicht zu jammern?

Nach den ersten beiden Tagen merke ich wieder einmal, wie schwer es ist, sich selbst zu überlisten. Ich greife in die Trickkiste, strenge mich an, meine Gedanken versucht zu kontrollieren - doch die sind so glitschig und wendig wie ei Fisch, den man per Hand aus dem Meer holen möchte. Kaum denke ich, ich hätte mich ertappt und soweit im Griff - da bin ich schon wieder in der Jammer-Spirale gefangen. Ich brauche eine bessere Strategie!

No Complaints!

Im Coaching lernt man, von den Besten abzuschauen und es denen gleich zu machen, die bereits erfolgreich waren. Nichts leichter als das, oder? Ich höre mich im Freundeskreis um, beobachte die Menschen auf der Straße, befrage Google … und erinnere mich.

"Wer will das Experiment wagen, sich 21 Tage lang nicht zu beschweren", hatte damals meine Bekannte C. aufgerufen. Klar, dass ich mich sofort gemeldet hatte - das Thema Sudern ist ja nichts Neues und einmal so ganz ohne Raunzen zu leben, hat auf mich schon immer einen Reiz ausgeübt. Ein paar Tage später hatte ich es auch schon in meiner Post: Das lila Gummi-Armband mit der Aufschrift A Complaint Free World.

Was es mit der Idee auf sich hat, verrate ich auf Seite 2 >>

Die Idee, jammerfrei zu sein, ist also nichts Neues. So stellen sich die US-Amerikaner das Experiment vor - Achtung, kitschig:

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21 Tage lang nicht klagen, sich nicht beschweren, nicht jammern, nicht nörgeln, vor allem aber auch nicht auf Suderer zu reagieren: Diese Idee verbreitet der amerikanische Autor Will Bowen in seinem Bestseller A Complaint Free World: How to Stop Complaining and Start Enjoying the Life You Always Wanted und möchte damit die Welt glücklich machen. Als Zeichen und Hilfe trägt man das "No-Complaint"-Armband, das laufend an das hehre Ziel erinnert. Schlägt man fehl und verfällt wieder in den alten (missmutigen) Trott, muss man das Gummi-Ding von einem Handgelenkt aufs andere geben - und das (Zähl-)Spiel beginnt von vorne.

Einige Tage lang habe ich es damals versucht - und fast minütlich das Armband von einer Hand auf die andere gegeben. Vorausgesetzt, ich habe mich beim Jammern ertappt. Denn das Sudern schleicht sich in meine Gedanken wie die kleinen Steinchen in meine Wanderschuhe. Genauso lästig ist es auch! Irgendwann habe ich es aufgegeben … oder besser gesagt, das Armband abgenommen. Wegen eines Arzttermins. Seither liegt das "No-Complaint"-Armband in meiner Schmuckschatulle herum.

Bis heute! Ob es mir hilft, tatsächlich ohne Jammern zu leben? Ich bin genauso gespannt wie Sie …

 

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