Kein 24h-Dienst mehr? Frauenhelpline droht Kürzung

Der Gewaltschutz braucht mehr Geld. Ohne Budgeterhöhung müssen viele Organisationen ihr Angebot kürzen - darunter die Frauenhelpline.

Der Frauenhelpline drohen Kürzungen

Bis 18. März will die türkis-grüne Regierung ihr erstes Budget vorlegen. Die Allianz GewaltFrei leben, ein Zusammenschluss von Opferschutzeinrichtungen und Gewaltschutzorganisationen, fordert mehr Mittel für Gewaltschutz und Gewaltprävention. Ansonsten müssten viele Organisationen ihr Angebot zurückschrauben. "Einige Organisationen sind am absoluten Limit", sagt Sophie Hansal, Koordinatorin der Allianz. "Viele haben über Jahre Schulden gemacht. Dass das Angebot überhaupt aufrechterhalten werden konnte, ist der Selbstausbeutung der Mitarbeiterinnen geschuldet."

Grund für die prekäre finanzielle Lage sind ausbleibende Indexanpassungen bei steigenden Kosten. Die Frauenhelpline, unter der Gewaltbetroffene Hilfe erhalten, wird vom Frauenministerium mit jährlich 317.800 Euro finanziert. Seit Jahren gab es keine Indexanpassung. "Wir haben dadurch mittlerweile ein Defizit von 72.000 Euro", sagt Maria Rösslhumer vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser, der die Helpline betreibt.

Um den 24-Stundenbetrieb aufrecht erhalten zu können, brauche es eine Aufstockung des Budgets auf jährlich 4000.000 Euro. Gibt es die nicht, muss die Frauenhelpline ihr Angebot spätestens im Juni drastisch kürzen. "Wie genau das aussehen wird, wissen wir noch nicht", sagt Rösslhumer. "Wir wollen die Wochenend- und Nachtdienste aufrechterhalten, weil die meisten Schutzeinrichtungen da geschlossen sind. Gerade diese Dienste sind wegen den Zulagen aber am teuersten."

Die Frauenhelpline gegen Gewalt bietet rund um die Uhr gratis und anonym telefonische Erst- und Krisenberatung für Frauen, Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betrof­fen sind: 0800/222 555.

Auch bei anderen Organisationen ist die Lage prekär: Der Verein Orient Express, der Migrant*innen unterstützt, fordert eine jährliche Anpassung von fünf Prozent, um das bestehende Angebot aufrecht erhalten zu können. SAMARA, ein Verein zur Prävention von sexualisierter Gewalt, überlegt seine Arbeit einzustellen, obwohl es viele positive Rückmeldungen auf die Projekte gäbe. Das Mädchenzentrum peppa in Ottakring kann sein bestehendes Angebot derzeit nicht gewährleisten.

Gesamtstrategie statt Flickwerk

Die Expert*innen der Allianz GewaltFrei leben fordern deshalb eine langfristig angelegte Gesamtstrategie gegen Gewalt. "Es gibt derzeit kein Gesamtkonzept. Es war immer nur ein Flickwerk", sagt Ursula Kussyk von der Frauen*beratung. Neben ausbleibenden Anpassungen machen den Organisationen auch Förderverträge mit kurzer Laufdauer zu schaffen. "Wir sind Spielball der Politik, weil unsere Förderung nicht gesetzlich verankert ist", sagt Rosa Logar von der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt.

Rund 210 Millionen Euro im Jahr müsste das Budget für Gewaltschutz und -prävention betragen schätzen Expert*innen. Das Frauenministerium, das für Umsetzung der wichtigsten Gewaltschutzkonvention, der Istanbul-Konvention, verantwortlich ist, hat seit zehn Jahren rund 10 Millionen Euro zur Verfügung. "Das zeigt ein geringes politisches Commitment für den Gewaltschutz in Österreich", sagt Hansal. Seit Jahresbeginn gab es in Österreich sechs Femizide und vier Mordversuche an Frauen.

Nachhören: Im WIENERIN Podcast "Scho wieder?" erklären wir im Detail, was im Gewaltschutz in Österreich in den vergangenen beiden Jahren falsch gelaufen ist.

 

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