Kaufen wir den Dreck einfach nicht mehr!

Mikroplastik in Kosmetik: Was müssen kritische KonsumentInnen beachten? Wir haben die wichtigsten Fragen beantwortet.

Plastik als Umweltgefahr - wie schlimm ist es wirklich?

Sehr schlimm. The Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik hat mit einer Größe von 1.600.000 Quadratkilometern mittlerweile viermal (!) die Größe Deutschlands. Hier treiben Flipflops, Plastikflaschen, alte Zahnbürsten. Und das ist nur die Spitze des Kunststoffbergs: Denn darunter verbirgt sich eine riesige Wolke aus Mikroplastik -winzige Plastikteilchen, die von Fischen gefressen werden, über Verdunstung in die Atmosphäre gelangen und so wieder in unseren Mägen landen.

Ist das schädlich?

Bestimmte Chemikalien in Mikroplastik sind hormonaktiv. Vor allem aber hat Mikroplastik die tückische Eigenschaft, Bakterien und Schadstoffe an sich zu binden.

Aber schuld sind vor allem die Autoreifen, oder?

Rund ein Drittel der Mikroplastikemissionen entfällt auf den Abrieb von Autoreifen. Die müsste man in Zukunft langlebiger gestalten. Die Kosmetik spielt -obwohl oft medial "gebasht" - tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings lässt sich hier Mikroplastik auch am leichtesten vermeiden.

Warum enthält Kosmetik überhaupt Mikroplastik?

Bei Mikroplastik in Kosmetik denkt man vor allem an Peelingkörnchen aus Kunststoff. Aber dank Kaufboykotts der KonsumentInnen findet man heute in Peelings kaum noch Reibkörper aus Plastik. Ganz anders sieht es beim Thema gelöste Polymere aus -das ist flüssiges Plastik, das als Füllstoff, Filmbilder oder Emulgator vor allem aus einem Grund in Duschgels, Bodylotions und Co steckt: Es ist weitaus billiger als die natürlichen Alternativen.

Wie finde ich heraus, ob ein Produkt Mikroplastik enthält?

Das Tolle bei Kosmetik: Jeder Inhaltsstoff muss von Gesetz her angeführt sein. Plastik hat viele Namen, aber die meisten beginnen mit Poly, wie z. B. Polyethylen, Polypropylen, Polyamid oder Polyethylenterephthalat.

Warum tut die Politik nichts?

UmweltschützerInnen sagen: weil die Kunststofflobby in den einzelnen Industrieländern ganz schön viel Macht hat. Am ehesten sind Veränderungen überraschenderweise auf EU-Ebene zu erwarten. Wegwerfprodukte -die am häufigsten an Europas Stränden gefunden werden und über 70 Prozent der Abfälle im Meer ausmachen -sollen ab 2021 verboten werden. Darunter fallen etwa dünne Plastiksackerl, Strohhalme und Wattestäbchen.

Ist Biokunststoff eine Verpackungsalternative?

Jein. Denn Bioplastik aus Zuckerrohr oder Mais kann leider nie den tatsächlichen Kunststoffbedarf decken. Man würde zu viele Anbauflächen und einen Extrabedarf an Diesel und Dünger brauchen. Die beste Verpackung für Kosmetik ist derzeit immer noch Glas.

Wie kriegen wir unnötiges Plastik aus der Kosmetik raus?

Als kritische/r KonsumentIn haben Sie unglaublich viel Macht. Zahnpasten enthalten heute keine Putzkörper aus Plastik, weil die Problematik über Social Media so bekannt wurde, dass sie über Nacht unverkäuflich wurden. Boykottieren Sie konsequent Kosmetika, die Mikroplastik oder flüssiges Plastik enthalten oder zu aufwendig verpackt sind, werden diese über kurz oder lang nicht mehr angeboten werden.

 

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