Käthe Leichter: Eine Frau, die von der Geschichte vergessen wurde

Sie war Frauenrechtlerin, Kämpferin und Sozialistin: Käthe Leichter ebnete den Weg für die Frauenforschung in Österreich und weltweit. Trotzdem kennt sie so gut wie niemand.

Sie war Frauenrechtlerin, Kämpferin und Sozialistin: Käthe Leichter ebnete den Weg für die Frauenforschung in Österreich und weltweit. Trotzdem ist der Name nicht allen ein Begriff. Noch nicht.

Die Jüdin, die für Arbeiterinnen kämpfte


Käthe Leichter wurde 1895 als Tochter einer großbürgerlichen jüdischen Familie geboren, hatte jedoch immer einen ausgeprägten Sinn für Gleichberechtigung. Marianne Katharina Pick, wie sie damals hieß, rebellierte gegen gesellschaftliche Konventionen, gegen Männerbünde, gegen Faschismus.

Als eine der ersten Frauen studierte Käthe Leichter Staatswissenschaften und Nationalökonomie - Studienfächer, die davor nur Männern vorbehalten waren. Die junge Wissenschafterin beschäftigte sich schon früh mit der "Frauenfrage" und vor allem mit Arbeiterinnen. Als Mitglied der Arbeiterbewegung glaubte sie fest an den Sozialismus und an den Kampf für Frauenrechte.

Neuer Film beleuchtet ihr Leben


Jetzt setzt sich eine neue Dokumentation mit dem Leben und Werk von Kätze Leichter auseinander. In Helene Maimanns Porträt "Käthe Leichter - eine Frau wie diese", das im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag heute um 22.30 Uhr in ORF 2 gezeigt wird, erzählen mehrere Weggefährten und -gefährtinnen der Pionierin aus ihrem Leben.

Mit ihren Studien über das Leben von arbeitenden Frauen versuchte Leichter, Frauen zu ermutigen, für Gleichberechtigung zu kämpfen. Sie kämpfte bis zum Schluss für ihre Ideale. Nach dem Bürgerkrieg im Jahr 1934 ging sie gemeinsam mit ihrem Mann Otto Leichter und ihren beiden Söhnen ins Schweizer Exil - kehrte aber kurz später wieder nach Wien zurück, um im Widerstand zu kämpfen.

Ein Engagement bis zum Tod


Sogar als sich Österreich im März 1938 an das Deutsche Reich anschloss, wollte Käthe Leichter noch nicht aufgeben. Als jüdische Frau, widerständige Sozialdemokratin und Intellektuelle befand sie sich jedoch in einer gefährlichen Lage. Sie versuchte dennoch, auf legalem Weg auszuwandern. Ihre Familie war bereits geflohen.

Ende Mai 1938 wurde sie aber von der Gestapo verhaftet und nach eineinhalb Jahren im Gefängnis verurteilt. Ihre "Kindheitserinnerungen" schrieb sie in ihrer Zeit im Gefängnis - sie bilden eine wichtige Grundlage des Films.

Internationale Interventionen und Visa, die auf dem britischen und amerikanischen Konsulat auf sie warteten, nutzten ihr leider nichts: Sie wird Ende 1939 ins KZ Ravensbrück deportiert und im März 1942 ermordet. Ihr Vermächtnis bleibt aber bis heute erhalten - und gerade am Frauentag sollten wir uns an diese Frau erinnern, die mit ihrem Engagement, ihrem Mut und ihrer Solidarität ein Vorbild für viele geworden ist.

Im Rahmen des ORF-Programmschwerpunkts zum Weltfrauentag zeichnet Helene Maimanns "kreuz und quer"-Dokumentation "Käthe Leichter - Eine Frau wie diese" ein Bild der Wissenschafterin, Politikerin und Frauenrechtlerin.

Ausstrahlung: 8. März 2016, 22.30 Uhr, ORF 2 & Mittwoch, 9. März 2016, 20.15 Uhr, ORF III

Eine Ko-Produktion von ORF und Dor Film in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Wien, gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien

Die Sendung ist nach der Ausstrahlung sieben Tage in der ORF-TVthek abrufbar!


 

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