Kassiopeia

Den neuen Roman von Bettina Balàka haben wir wie nichts verschlungen. Und nun kommt das Problem: Wie darüber reden, ohne zu viel zu verraten?

Frau Balàka, so viel dürfen wir andeuten: Ihr Roman spielt mit Identitäten. Hatten Sie nie Sorge, Sie könnten die Leser damit überfordern, nie zu wissen, woran sie sind?
Nein, denn die Dramaturgie des Plots mit dem Legen von Fährten, die nach und nach aufgeklärt werden, ist im Grunde dieselbe wie in jedem Krimi. Es ging mir in meinem Roman darum, den langen Weg zur Wahrheit zu zeigen, der über viele Irrtümer führt. Wie in einem Krimi, wie gesagt - nur dass hier kein Ermittler zwischengeschaltet ist, sondern der Leser quasi selbst ermittelt.

Bettina Balàka

Es geht im Buch, vor allem am Schauplatz Venedig, um Liebeswahn. Wie kamen Sie darauf?
Ausgangspunkt war ein Leser, der mir per E-Mail mitteilte, er sei durch das Lesen meiner Bücher zu der Überzeugung gelangt, dass wir füreinander bestimmt seien. Es handelt sich hier um eine Illusion, die Literatur generell erzeugt: die einer großen Nähe zwischen Leser und Autor.

Ist Kassiopeia für Sie selbst vor allem eine komödiantische Liebesstory?
Ein kluger Mensch hat mal gesagt: „Man schreibt immer das Buch, das man selbst gerne lesen würde." In diesem Fall wollte ich einen spannenden, unterhaltsamen Roman schreiben, mit zahlreichem Nebenpersonal und einem reichen Fundus an Binnengeschichten, der das Ganze auch zu einem Zeitdokument macht.

Vier Jahre schrieben Sie am Buch. Warum so lang?
Es stecken sehr viele Recherchen darin - zum Thema Liebeswahn, über Venedig. Aufwändig zu recherchieren waren auch einzelne Kapitel, etwa die letzten Kriegstage in Wien oder die Purkersdorf-Plünderungen. Nicht zuletzt musste ich Triopse züchten und Diäten ausprobieren! Das Schwierigste beim Schreiben war, den richtigen Ton zu finden. Während die Geschichte längst stand, habe ich alles mehrmals umgearbeitet. Ich wollte einen Ton erreichen, der sich am jüdischen Witz und seiner Sonderform, dem isrealischen Witz, orientiert - mit seiner Tradition, die alle Lebenslagen, auch die verheerenden, in Ironie zu fassen weiß. Zugleich sollte es mühelos klingen, wie aus dem Ärmel geschüttelt.

Kassiopeia
Bettina Balàka
Haymon, € 22,90
 

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