Kärnten neu entdecken

Malerische Aussicht und Adrenalin pur: Auf dem Pyramidenkogel am Südufer des Wörthersees steht der weltweit höchste Aussichtsturm aus Holz. Rutschpartie inklusive.

Wer auf dem Holzweg ist, findet selten das Glück. Zumindest in einem Fall kann diese Redensart nun aber eindrucksvoll hinterlegt werden: Der Holzweg auf den neuen Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel öffnet Besuchern glückliche Ein- und Aussichten. Hier liegt ein ganzes Land seinen Gästen zu Füßen.

Warum Holzweg? Der vor kurzem eröffnete Aussichtsturm nach Plänen der Klagenfurter Architekten Markus Klaura und Dietmar Kaden besteht primär aus Holz und ist mit seinen spitzen 100 Metern das weltweit höchste Bauwerk dieser Art. Er hat keine Richtung, kennt kein Vorne und kein Hinten, die 16 mächtigen, elliptisch angeordnete Lärchen-Leimholzstützen schrauben sich wie ein überdimensionaler DNA-Strang spiralförmig nach oben. Ein nach allen Seiten hin offener Himmelstürmer aus dem Material, das die Erde hervorgebracht hat, ein Platz zum Voraus- und Ausschauen mit Wurzeln.


Architektur Aussicht


Neues Wahrzeichen

Der Turm auf dem rund 900 Meter hohen Pyramidenkogel am Südufer des Wörthersees ist im ganzen Kärntner Zentralraum sichtbar. Man kann sich seinem Anblick nicht entziehen, der manche Betrachter an einen Frauenkörper, andere aber wiederum an ein geschwungenes Bierglas oder einen Pokal erinnern. Meine Tochter Lucia, sonst eine Expertin für selten gehörte Vergleiche, hat sich dazu noch nicht geäußert. Schuld daran dürfte der Umstand sein, dass es ihr beim Anblick des Turmes aus der Nähe zunächst einfach die Sprache verschlagen hat.

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Lift oder 441 Stufen

Für unseren Aufstieg haben wir nicht den Panoramalift, sondern die Stiege gewählt. 441 Stufen sind zu bewältigen. Es ist eine kleine, aber feine Herausforderung, für die man oben auf der Plattform mit einem unbeschreiblichen 360-Grad-Panoramablick belohnt wird. Der Wörthersee leuchtet je nach Sonnenstand in mehr oder weniger karibischen Farben - ein Meer aus Hellblau und Türkis, in dem das mächtige Passagierschiff, das gerade Pörtschach anläuft, unwirklich klein wirkt. „Da wird der Dampfer zum Traumschiff", lacht eine jung gebliebene Dame, die neben uns in die Kärntner Weite blickt.

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160 Meter lange Rutsche

Lucia, die altersbedingt mit dem Begriff „Traumschiff" (zum Glück) wenig anfangen kann, hat längst andere Prioritäten. „Ich will rutschen", ruft sie. Kein Wunder. Die Rutsche ist auch nicht zu übersehen. Im Inneren des Turmes schlängelt sie sich wie ein blecherner Riesenwurm in die Höhe. 160 Meter ist sie lang. In rund 20 Sekunden überwindet man in ihr 50 Höhenmeter von der Mitte des Turmes bis zum Eingang. In die Röhre dürfen nur Besucher, die größer als 1,30 Meter sind. Auf Lucia trifft das zum Glück zu. Unten angekommen, kommentiert sie die Fahrt trocken: „Ich hab mir das ein wenig rasanter vorgestellt."

Apropos „trocken": Für Papas und Mamas mit trockener Kehle gibt's im Restaurant zu ebener Erde ein spezielles Turmbier. Möglicherweise ein Indiz dafür, dass die Architekten doch nicht an weibliche Kurven, sondern „nur" an die Kärntner Braukunst gedacht haben . . .

Lust am Leben im Süden: Unterwegs mit Georg Lux und seiner siebenjährigen Tochter Lucia in Kärnten. Urlaubstipps zwischen Badeseen und Bergen, Genuss und Bewegung, Kunst und Kultur.
Der Aussichtsturm auf dem Pyramidenkogel ist von Juli bis August täglich von 9 bis 21 Uhr geöffnet.
September: 9 bis 20 Uhr. Oktober: 10 bis 19 Uhr.

Informationen im Internet: www.pyramidenkogel.info
 

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