Karmasin trifft Buchinger zum homophoben Sommergespräch

Danke, Standard. Unser Sommer wäre nicht derselbe ohne diese Gänsehaut-Momente bei den Sommergesprächen.

Was hat uns die Reihe der Standard "2+1 Sommergespräche" diesen Sommer schon für unangenehme Gänsehaut-Momente vor unseren Handy-Schirmen beschert? Noch vor einer Woche mussten wir damit klarkommen, dass Standard-Redakteur Michael Völkl Vea Kaiser darauf angesprochen hat, dass sie so "hübsch und fröhlich" ist, und Kanzler Christian Kern gezwungen wurde, darauf zu reagieren, dass diese ihn sexy genannt hatte.

Das waren schon schöne Momente, doch diese Woche traf Familienministerin Karmasin den Youtuber Michael Buchinger zum Interview, nur um uns zu beweisen, wie konservativ und homophob sie wirklich ist.

In der Standardreihe "2+1 Sommergespräche" treffen Spitzenpolitiker auf Nicht-Politiker und werden gemeinsam interviewt. Meist sind das Kulturschaffende, Menschen aus der Wirtschaft, oder andere Menschen des öffentlichen Interesses. Unser Interesse haben zugegebenermaßen hauptsächlich Menschen wie Michi Buchinger, und andere Leute, die wir aus dem Internet kennen. Diese Konstellation kann natürlich eine eigene, interessante Dynamik entwickeln, da Politiker dadurch teils direkt mit Menschen konfrontiert sind, die von ihren Meinungen und ihrer Politik betroffen sind. Zum Beispiel kann dann Sophie Karmasin einem schwulen Mann endlich ins Gesicht sagen, dass sie nicht findet, er hätte ein Anrecht auf Ehe oder Kinder. Fun!

Auf Buchingers Frage, ob er mit 23 noch jungendlich wäre, antwortete Karmasin prompt, dass er eigentlich schon Kinder bekommen sollte und seine Generation ja so schwer zur Familiengründung zu motivieren wäre. Dieser Themenschwenk verrät uns nicht nur einiges über das Weltbild unserer Familien- und Jungendministerin, sondern ist auch denkbar heuchlerisch, hat sie sich doch vor zwei Jahren noch gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle ausgesprochen.

Karmasin: Für mich wären Sie eher als Jungvater im Blickfeld. Diese Generation muss man ja motivieren, dass sie in die Familiengründung geht.

Buchinger: Das könnte schwierig sein bei mir, als schwuler Mann.

Karmasin: Naja, da gibt es auch Möglichkeiten.

Buchinger: Da hätte ich eh eine Frage: Es ist ja jetzt legal für Schwule, Kinder zu adoptieren. Sie waren eigentlich dagegen, oder?

Karmasin: Ich war nicht grundsätzlich dagegen, aber im Sinne der Realität habe ich gesagt: Es gibt acht Mal mehr Eltern, die Kinder adoptieren wollen, als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Es ist tragisch, wenn Paare Kinder wollen, aber keine bekommen können.

STANDARD: Sie sagten vor zwei Jahren, sie sähen keine Notwendigkeit, Adoption zu erlauben. Dann ist Ihnen der Verfassungsgerichtshof ohnehin zuvorgekommen und hat das Adoptionsverbot aufgehoben.

Karmasin: Ich habe nicht gesagt, man soll es nicht machen.

STANDARD: Doch, haben Sie.

Gay Icon (und Feminist) Michael Buchinger deckte die Doppelmoral gleich auf, und Standard-Redakteurin Maria Sterkl sprach sie daraufhin auch auf die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare an. Daraufhin verwickelte sich die "parteilose" Ministerin in verwirrende Argumente darüber, dass die Ehe "im katholischen Sinne" für viele einen wichtigen Stellenwert hat und dass viele homosexuelle Paare sich gerne verpartnerschaften und sich dadurch nicht diskriminiert fühlen. Diese Statistik würden wir gerne zu Gesicht bekommen, und die Befindlichkeiten Einzelner sollten auch nicht ausschlaggebend für die österreichische Gesetzgebung sein. Genauso wenig wie die katholische Kirche. Soweit wir das mitbekommen haben, hat nämlich niemand die ÖVP gefragt, diekatholische Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, und eine Eheöffnung nimmt auch niemandem diesen hohen Stellenwert weg. Eine Weigerung der Öffnung bedeutet lediglich, dass man es niemandem anderen gönnt.

Anschließend mussten die beiden noch einen Fragebogen über einander ausfüllen, bei dem sie zwischen Worten wie "schroff, schlagfertig, sympathisch, Netzwerkerin, Intellektuelle" oder "Komiker, Kindskopf, Provokateur, Linker, Rechter, Netzwerker, Netzwerkprofiteur" wählen mussten.

Ja.

Das ganze liebevolle Interview gibt's hier zu lesen.

 

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