Karen Müller über faltige Fersen

Teil 2

BLINDER FLECK.
Die Frage ist, so überlegte ich, ob die Vergangenheit somit eine glücklichere – oder ob es eine scheußlichere Zeit gewesen ist. Glücklicher, weil uns allen nicht bewusst war, was für eine Scheußlichkeit wir da unter unseren Armen rumtragen. Und scheußlicher deshalb, weil wir unbewusst ständig in selbige gucken mussten, sobald jemand im Tanktop vor uns saß. Interessant wäre auch zu wissen, ob es wohl Männer gab, die sich von Frauen trennten, weil ihre Achseln nicht zauberhaft genug waren. Es könnte ja sogar sein, dass auf dieser Welt Millionen von Männern heimlich beim Therapeuten sitzen und ihr Achsel- Trauma („ … und jedes Mal, wenn sie den Arm gehoben hat! “) aufarbeiten. – Herrje! Was für Abgründe sich da auftun!

KAKTEEN DES GRAUENS.
Nachdem ich eine Weile so dagesessen und über traumzarte Schönheitsideale von gestern, heute und morgen sinniert hatte, drehte ich den Fernseher ab. Papierpuppen, Kakteen – mein Kleiner hatte genug des Grauens gesehen. Und man kann ja nie wissen, ob nicht beim nächsten Werbeblock noch ärgere Problemzonen aufgetaucht wären, die so ein unschuldiges Kind dann bis in den Schlaf verfolgen. Vielleicht so was wie … na, sagen wir mal: faltige Fersen?

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