Kann man mit Lehrerinnen nur über die Schule reden?

Man nehme: Mindestens zwei Lehrerinnen und eine Stoppuhr. Dann möge man das Gespräch beobachten und schauen, wie lange es dauert, bis sie über die Schule reden. Nicht lange! Und das nervt oft sogar die Lehrerinnen selber.

"Es nervt mich ja selber so", gesteht mir letztens eine meiner Lehrerinnen-Freundinnen. "Aber laut sagen darf man das nicht", ergänzt sie. "Schau, sie reden schon wieder über die Schule", flüstert eine andere letztens als wir in größerer Runde in einer Bar plaudern. Worüber wir hier sprechen? Darüber, dass es einige LehrerInnen gibt, mit denen man über nichts anderes als die Schule reden kann. Sagen manche meiner Lehrerinnen-Freundinnen, hier ihre Erfahrungen dazu:

"Ich will auch mal abschalten. Können wir denn nicht über was anderes als die Schule reden?"

K.: "Ich hab nur eine einzige Kollegin, mit der ich auch über andere Sachen reden kann. Die kocht gerne und lädt mich ab und zu zu sich nach Hause ein. Da reden wir über alle möglichen Themen. Mit den anderen ist das fast unmöglich. Auch wenn wir uns in einer größeren Gruppe treffen und auch Nicht-Lehrerinnen dabei sind, Thema Nummer 1 ist immer die Schule. Und selbst wenn man sie drauf aufmerksam macht, dass die anderen wirklich nicht interessiert, wie die letzte Schularbeit gelaufen ist, und sich alle für den Moment zusammenreißen - es dauert nicht lang und schon sind wir wieder bei Gangdiensten oder schwierigen Schülern. Ich finde das schade, denn ich mag ja auch mal abschalten."

S.: "Dass man im Konferenzzimmer über Klassen, Schüler oder Eltern spricht, das finde ich eigentlich normal. Ich denke, in Pausen mit den Kolleginnen über berufliche Dinge zu reden, das tun auch andere Berufsgruppen. Was mich aber nervt ist: Es hört auch außerhalb der Schule nicht auf. Wenn man nach dem Elternsprechtag miteinander etwas trinken geht, da könnte man ja auch mal über was anderes reden und aufhören, Schulprobleme zu wälzen. Aber vielleicht können das Lehrerinnen einfach schlecht, weil sie ja auch viel zu Hause arbeiten und sich Arbeit und Freizeit immer irgendwie vermischen. Vielleicht ist es deshalb auch schwieriger, das in Gesprächen zu trennen, wenn es sich im Alltag nicht trennen lässt."

N.: "Wir waren mal ein Wochenende lang zu neunt wellnessen - die meisten in der Runde waren Lehrerinnen. Und wir haben bei der Hinfahrt beschlossen, das ganze Wochenende nicht über die Schule zu reden. Eine hatte aber sogar Hefte zum Korrigieren mit und durchgehalten haben wir nur einen halben Tag. Ich weiß auch nicht, wenn man ein Thema hat, das einen verbindet, dann redet man halt darüber. So lange es gute Gespräche sind und nicht nur in Schulgejammer ausartet, ist das für mich in Ordnung."

WIENERIN-Autorin Ursula Neubauer hat selbst mal unterrichtet. Aber nur kurz. Der Lehrberuf war nix für sie. Das Thema Schule begleitet sie aber nach wie vor dank vieler Lehrerinnenfreundinnen. In dieser Kolumne schreibt sie über Erlebnisse zwischen Lehrer- und Nichtlehrermenschen und den ganz normalen Schulwahn(sinn).

Zu allen Beiträgen der "Hey, Frau Fessa"-Kolumne.

Mehr dazu: 10 Gründe, warum ich keine Lehrerin mehr sein wollte

 

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