Kann man Depressionen per Bluttest diagnostizieren?

Und warum ist eine klare Diagnose wichtig, um Depressionen richtig behandeln zu können?

Kann man Depressionen per Bluttest diagnostizieren?

Fast immer wenn von Depressionen gesprochen wird, bezeichnet man sie als Volkskrankheit. Gerade in den letzten paar Jahren durch die Pandemie und die äußeren Umstände haben die psychischen Probleme in der Gesellschaft zugenommen. Doch gerade Depressionen sind häufig gar nicht so einfach zu diagnostizieren. Denn bisher waren Depressionen nichts, was man einfach so über einen Bluttest feststellen konnte.

Das könnte sich nun ändern. Wissenschaftler*innen ist es gelungen, Biomarker für Depressionen zu finden. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sollen dazu beitragen, die biologischen Grundlagen von Depressionen besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln, so die Academic Society for Mental Health Tailor-Made.

Häufigste Erkrankung des Gehirns

Weltweit leiden laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation 350 Millionen Menschen an Depressionen. Und nur ein Bruchteil der Betroffenen weltweit wird erfolgreich behandelt bzw. bekommt die Hilfe, die er*sie braucht. Gemäß dem internationalen Indikator YLD (Years Lost due to Disability), der den Verlust von gesunden Lebensjahren durch gesundheitliche Einschränkungen beschreibt, ist die Depression die wichtigste Krankheitsursache überhaupt, wie das Bundesforschungsministerium berichtet. Demnach ist die Depression von allen schweren Erkrankungen des Gehirns eine der häufigsten. Doch bislang werde nur jeder vierte Betroffene adäquat behandelt, stellt die WHO fest.

Körperliche Symptome

Anders als man vielleicht im ersten Moment annimmt, wenn man an Depressionen denkt, sind die Symptome nicht nur gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und ein Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu erleben. Sondern es können sich durchaus auch körperliche Symptome zeigen, wie Magen-Darm-Problemen, Herzbeschwerden oder Rückenschmerzen. Auch einige unspezifische gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit oder ausgeprägte Unruhe sind nicht untypisch. Bei manchen Patient*innen überwiegen sogar die körperlichen Symptome.

Weltweite Forschungsarbeit

Man merkt also, dass Depressionen nicht so leicht zu erkennen sind, dies aber wichtig ist, um sie entsprechend behandeln zu können. Weltweit wird aktuell daran gearbeitet, dass man neue Verfahren und Methoden zur Erkennung und Behandlung entwickelt. Ein erster Schritt ist nun ein Bluttestverfahren, mit dem psychische Symptome messbar sein sollen. Dabei fokussieren sich die US-amerikanische Forscher*innen auf ein in den Blutplättchen der Patient*innen enthaltenes Protein namens Gs alpha.

Dieses Eiweiß lässt insofern Rückschlüsse auf eine Depression zu, als bei Patient*innen mit einer solchen Erkrankung die Beweglichkeit des Proteins abnimmt. Von der Messung dieser Agilität lässt sich demnach auf eine Depression rückschließen. Die Wissenschaftler*innen konnten zudem erstmals zeigen, dass sich bei einer erfolgreichen Medikation mit einem Antidepressivum die Beweglichkeit des Proteins wieder erhöht. Die Agilität von Gs alpha kann somit ebenfalls als Indikator für die Wirksamkeit eines Medikaments dienen.

Leichtere Erkennung

Forscher*innen an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wiederum entdeckten sogenannte Biomarker für Depressionen. Diese Indikatoren vermitteln, vereinfacht formuliert, Mediziner*innen Informationen darüber, ob im Körper alles richtig läuft oder ob es Hinweise auf Krankheiten gibt. Zu Biomarkern zählen beispielsweise körperliche Eigenschaften wie Blutdruck, Körpertemperatur, der Blutzucker- oder der Cholesterinwert, aber auch Merkmale oder Veränderungen im Erbgut sowie Botenstoffe (Hormone) oder Eiweiße, die man im Blut oder im Urin messen kann.

Beim Vergleich des Blutmetabolismus von Personen mit und ohne Depressionen stellten die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler*innen einen deutlich niedrigeren Spiegel des Metaboliten Laurylcarnitin bei Menschen mit Depression im Vergleich zu Gesunden fest. Dieses neue Forschungsergebnis wurde anschließend in einer unabhängigen allgemeinen Bevölkerungsstichprobe bestätigt.

Diese neuen Ergebnisse helfen dabei, die biologischen Grundlagen von Depressionen besser zu verstehen und dadurch neue Therapieansätze zu entwickeln.

 

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