Kann heimliches Schnüffeln im Handy eine Beziehung zerstören?

Erstmals gibt eine Studie Aufschluss darüber, ob unerlaubte Blicke ins Handy des/der PartnerIn die Beziehung gefährden oder nicht.

Smartphone Beziehung

„Die Tatsache, dass Menschen in fremden Handys schnüffeln, ist uns allen bekannt“, stellt Studienautor Ivan Beschastnikh klar. Was man hingegen noch nicht wisse, seien die Gründe für das Spionieren und die möglichen Konsequenzen auf die Beziehung. Damit spricht Beschastnikh ein bekanntes gesellschaftliches Phänomen an: Alle machen’s, niemand redet darüber. Bzw. kennt jede/r irgendjemanden, der/die das schonmal gemacht hat, selbst würde man das nie machen, eh klar.

Nicht nur in Beziehungen wird unerlaubt in das Handy geschaut

Ebendiese Forschungslücke war für Beschastnikh und sein Forschungsteam von der University of Lisbon der Anlass, die erste offizielle Studie zu unerlaubten Blicken ins Handy anderer durchzuführen. Die zentralen Fragen der Forschung drehten sich um die Motive dafür, das Vorgehen selbst und das, was danach geschah. Unter den 102 Befragten waren nicht nur Menschen in romantischen Beziehungen, sondern es wurden auch ProbandInnen zum Schnüffeln in familären oder freundschaftlichen Beziehungen befragt. Obwohl die Stichprobe eher klein ist, konnte man detaillierte Informationen über die Motive des Ausspionierens und die Stärke von Beziehungen ableiten, ist der Studienautor überzeugt.

Warum Menschen zum Handy des/der PartnerIn greifen

Was bei der Umfrage auffallend war, ist, dass Menschen je nach Art der Beziehung aus unterschiedlichen Gründen zum Handy des/der Anderen greifen. Während in romantischen Beziehungen oft Eifersucht und Kontrolle im Vordergrund stehen, geht es beim Schnüffeln in Handys von FreundInnen oft nur um Pranks (also Scherze und Schabernack) oder aber Finanzielles – also um die Suche nach Informationen, um sich gegenüber FreundInnen einen „finanziellen Vorteil zu verschaffen“, was nicht näher erläutert wird. Gesucht werden diese Informationen am häufigsten, während die betroffene Person unter der Dusche oder auf dem Klo ist wie die Studie „Vulnerability and Blame: Making Sense of Unauthorized Access to Smartphones“ zeigt.

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Warum Beziehungen scheitern

46 der Befragten erzählten auch von dem Danach: 21 gaben an, dass die Beziehung an dem unerlaubten Blick ins Handy scheiterte, in 25 Fällen konnte der Vertrauensmissbrauch dem Paar nichts anhaben. Im Fall der zerbrochenen Beziehungen lag das laut Studienautor daran, „dass der Smartphonebesitzer das Gefühl hatte, das Vertrauen wäre missbraucht worden – oder weil es bereits andere Probleme innerhalb der Partnerschaft gab.“ Ein weiterer Grund sei, dass die Beziehung in vielen Fällen von vornherein nicht stark genug gewesen sei – das betreffe aber vor allem freundschaftliche Beziehungen.

Manche Beziehungen überleben Schnüffelaktionen

Die Studie, die Anfang des Monats bei der ACM CHI Conference on Human Factors in Computing Systems präsentiert wurde, zeigt aber auch: Das Spionieren im Smartphone muss nicht zwingend das Ende der Beziehung bedeuten. Bei Freundschaften muss die Bindung stark genug sein, um einen solchen Vertrauensbruch zu überstehen. Romantische Beziehungen, die hielten, hatte alle gemeinsam, dass der Grund für das Ausspionieren aufgearbeitet wurde: „In diesen Fällen interpretierten die Ausspionierten das als Zeichen dafür, dass sie ihre Partner stärker ihres romantischen Commitments versichern sollten“, sagt Beschastnik. „Am Ende konnten die Vertrauensbrüche entschuldigt werden und in manchen Fällen tauschten die Paare dann sogar die Zugriffe zu ihren Handy miteinander aus.“

 

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