Kann eine Frau ihre Bisexualität erforschen, ohne eine funktionierende Beziehung zu ruinieren?

Wie sollen bisexuelle Frauen in Beziehungen mit Männern damit umgehen, wenn sie Angst haben, diese Seite ihrer Sexualität zu verpassen, die Beziehung aber nicht aufgeben möchten.

Kann eine Frau ihre Bisexualität erforschen, ohne ihre funktionierende Beziehung zu ruinieren?

Immer weniger Menschen identifizieren sich als klar hetero-sexuell und mit dieser Entwicklung kommen natürlich auch neue Herausforderungen auf Beziehungen zu. Nicht wenig bisexuelle Frauen sind trotzdem in glücklichen Beziehungen mit Männern – und stellen sich vielleicht trotz der funktionierenden Beziehung die Frage, ob sie etwas verpassen. Denn nur weil sie in einer nach außen heterosexuellen Beziehung sind, sind sie nicht weniger bisexuell.

Googelt man diese Frage bzw. dieses Problem, findet man Unmengen Threads und allein in meinem Umfeld kenne ich einige Beispiele von Paaren, denen es genau so geht. Im Lifestyle-Magazin Bustle wurde genau diese Frage vor Kurzem als Leserbrief gestellt und Sex-Kolumnistin Sophia Benoit hat dazu einige Gedanken.

Verpasst man etwas?

Das Gefühl, etwas zu verpassen, ist ein ständiger Begleiter in vielen (auch glücklichen) Beziehungen, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Denn in dem Moment, in dem man sich für eine monogame Beziehung entscheidet, verliert man die Möglichkeit andere Menschen zu daten oder mit ihnen zu schlafen und das bedeutet auch, dass man etwas "verpasst". Dieses Gefühl ist also ähnlich, egal ob man sich als heterosexuell, bisexuell oder queer definiert.

Natürlich ist dieses Thema aber durch den Aspekt der Bisexualität komplexer, wie Sophia Benoit zu bedenken gibt: "Ich möchte dich daran erinnern, dass du nicht mit einer Frau zusammen gewesen sein musst, um zu beweisen, dass du bi bist. Es ist auch völlig in Ordnung, dass du Sex oder Küsse oder Kuscheln mit einer beliebigen Anzahl von Menschen jeden Geschlechts haben willst, während du in einer Beziehung bist, aber wegen der Monogamie entscheidest du dich dagegen. Mein Punkt ist folgender: Wenn Monogamie für dich funktioniert und du die Beziehung, in der du bist, liebst, entgeht dir keine zusätzliche Ebene des Bisexuellen, nur weil du nicht mit jemandem eines anderen Geschlechts zusammen bist."

Nicht weniger Bi

Das heißt natürlich nicht, dass man nicht manchmal traurig sein kann, dass man diese Erfahrung bisher nicht gemacht hat oder dass man Angst hat, dass es nie passieren könnte. Aber jede*r muss sich selbst dazu entscheiden, mit der aktuellen Situation zufrieden zu sein. Die Expertin gibt ihrer Leserin folgendes mit: "Ich fordere dich auf, darüber nachzudenken, was du dir davon versprichst, mit einer Frau zusammen zu sein oder mit ihr auszugehen. Was erhoffst du dir? Was glaubst du, was daran anders sein wird?"

Öffnen oder beenden?

Trotzdem ist es natürlich auch völlig in Ordnung, eine Beziehung zu verlassen, weil man sich darin eingeengt fühlt oder das Gefühl hat, nicht sein volles Potenzial ausleben zu können. Eine andere Möglichkeit ist es natürlich anzusprechen, dass man die Beziehung gerne öffnen würde.

Die Expertin warnt davor, dass sich das Öffnen einer Beziehung in der Theorie häufig einfacher anhört als in der Praxis: "Ich denke, dass es für eine Beziehung schwierig ist, von einer monogamen zu einer offenen Beziehung überzugehen. Schwierig heißt nicht unmöglich, aber es bedeutet laaaaange, qualvolle Gespräche. Schmerzhafte Gespräche, in denen man sich gegenseitig das Herz bricht und die Gefühle des anderen verletzt, sich aber so sehr liebt, dass man wieder zusammenkommt und arbeitet und arbeitet und redet und redet. Es ist so viel Arbeit. Und das ist es vielleicht wert."

So oder so gibt die Expertin mit, sich anzuschauen, was der Grund für den Wunsch nach mehr Erfahrung ist, wenn man sich in einer glücklichen Beziehung befindet: "Vielleicht musst du diese Beziehung riskieren, um neue Dinge auszuprobieren, um das Gefühl zu haben, dass du voll und ganz lebst. Das macht dich nicht böse oder gierig oder egoistisch. Aber vielleicht stellst du auch fest, dass du voll und ganz geliebt und bi und sexy und lebendig sein kannst, auch wenn du mit einem heterosexuellen Mann zusammen bist."

 

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