Kann ein Grund für Burnout sein, dass die Arbeit nicht zu viel, sondern zu bedeutungslos ist?

Hilft gegen das Gefühl von Burnout vielleicht nicht das Pensum zu verändern, sondern die Tätigkeit oder das Ziel?

Burnout Self Care

In den letzten 2 Jahren seit Beginn der Pandemie hat so ziemlich jede enge Freundin in meinem Umfeld ihren Job gewechselt. Einen Job, mit dem sie vor der Pandemie glücklich war und bei dem sie plötzlich das Gefühl hatte, ihn keinen weiteren Tag machen zu können. Als wir alle mit unserer Endlichkeit konfrontiert wurden, begannen viele Menschen zu überlegen: Möchte ich das machen? Möchte ich so mein Leben verbringen? Was dann passierte, ist spannend. Denn kaum war die Realisation da, dass man das nicht möchte, fühlte sich der Job plötzlich unmöglich an. Und bis es zum Jobwechsel kam, standen einige Menschen in meinem Umfeld kurz vor dem Burnout. Weil plötzlich der Workload, den sie davor gut bewältigten, nicht mehr ertragbar war.

Self Care?

Heather Havrilesky ist eine amerikanische Schriftstellerin und Kolumnistin und hat sich intensiv mit Burnout beschäftigt. Die wichtigste Frage für sie war: Wenn jemand eigentlich leistungsfähig und ambitioniert ist, ist dann komplette Ruhe und Self-Care wirklich, was dieser Mensch braucht?

Sie erklärt: "Wenn wir Arbeit missverstehen, missverstehen wir auch Burnout. Vielleicht signalisiert Burnout manchmal den Wunsch nach mehr Leben, nicht nach weniger. Ihr Burnout könnte bedeuten, dass wir viel ehrgeiziger sind, als wir denken - in Bezug auf alles in unserem Leben, nicht nur auf unsere Karriere. Menschen mit schwerem Burnout geben vielleicht sich selbst die Schuld ('Ich bin faul', 'Ich kann mich nicht konzentrieren') oder ihren Umständen ('Ich hasse diesen Job'), aber der Kern des Problems ist oft, dass sie es lieben, sehr hart an einer Aufgabe zu arbeiten, die sich einfach richtig anfühlt. Und wenn sie diese Art von Engagement nicht aufbringen können, sind sie frustriert und verwirrt. Ihr Desinteresse hat nichts mit Faulheit zu tun, sondern mit Idealismus, Tatkraft, Hunger und purem Ehrgeiz."

Ehrgeizigere Ziele

Wenn einem der eigene Job zu viel wird, kann man leicht denken, dass man mehr Ruhe braucht. Doch so wie Menschen unterschiedlich sind, so ist Ruhe und Selfcare auch nicht die universelle Lösung laut Heather Havrilesky. Sie persönlich liebt Arbeit, die sie auch körperlich fordert, wie zum Beispiel im Garten oder im Haus. Das hilft ihr mehr, als wirklich komplett inne zu halten und die Füße hoch zu legen.

Sie erklärt: "Wir lieben diese Dinge, weil sie uns den Druck nehmen, etwas mit unserer Arbeit erreichen zu müssen. Manchmal lässt sich Burnout auch dadurch bekämpfen, dass man sich bewusst macht, wie viel Tatendrang, Ehrgeiz und Lebenslust unter der Oberfläche der Desillusionierung lauern. Die Antwort auf diese Situation besteht nicht immer darin, sich auszuruhen und zu entspannen und darüber nachzudenken, wo man steht. Manchmal besteht die Antwort darin, die ehrgeizigere Version eines Ziels auszuprobieren, um zu sehen, ob sie sich motivierender anfühlt."

 

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