Kann die Erde nur durch Verzicht gerettet werden?

Keine tierischen Produkte, kein Auto, Flugreisen sowieso nicht: Eine Familie in Vorarlberg versucht auf individueller Ebene die Pariser Klimaziele zu erreichen. Uns haben sie erzählt, ob und wie das funktionieren kann.

Klima retten durch Verzicht?

Wir müssen den Treibhausgas-Ausstoß bis Mitte dieses Jahrhunderts auf Null reduzieren. Nur so gelingt es, die Temperaturerhöhung unserer Erde auf maximal 2 Grad - besser noch 1,5 Grad zu begrenzen. Gelingt das nicht, ist unser Überleben auf der Erde in Gefahr. Das wurde 2015 von der Weltpolitik bei der Pariser Klimakonferenz beschlossen. Nur: Wie kann das funktionieren?

Vier Wochen lang ausprobieren, was die Politik beschlossen hat

Im Vorderwald in Vorarlberg haben kürzlich 15 sehr unterschiedliche Haushalte versucht, ein Monat lang das Pariser Klimaziel zu erreichen. Erst wurden die Haushalte und ihr persönlicher Treibhausgasausstoß analysiert und danach Maßnahmen gesetzt, um das Klimaschutzziel praktisch zu erreichen. Dabei ging es um Fragen wie: Wie weit können die Haushalte ihre Emissionen reduzieren? Was liegt außerhalb ihres Einflussbereichs? Was muss sich politisch ändern, damit die Ziele erreicht werden können? Christiane hat mit ihrer Familie an dem Projekt "Paris – Vorderwald" teilgenommen. Was sie dabei gelernt hat, erzählt sie hier:

Okay, zugegeben: Der entscheidende Anstoß kam von den Kindern. Sie sind extrem motiviert, etwas zu verändern. Wir als Eltern fanden die Idee spannend, möglichst ehrlich unser eigenes Verhalten zu analysieren und zu reflektieren, was wir besser machen können.

Gemeinsam mit den Projektverantwortlichen startete alles mit einer Basisanalyse unseres Haushalts, sprich: Energieverbrauch pro Jahr was Strom, Heizung, Wasser, Mobilität, Konsum, Ernährung, usw. betrifft. So konnten wir herausfinden, wo die großen Hebel liegen, bei denen wir ansetzen können, um Punkte einzusparen.

Punkte deshalb, weil das Projekt alle Treibhausgasemissionen in Punkte umrechnet. Ein idealer Tag hat nicht mehr als 100 Punkte.

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Was nach der Analyse folgte, war für jedes einzelne Familienmitglied eine spannende Zeit, um zu erkennen, wie viel wir tatsächlich durch unser eigenes Verhalten, sei es durch Konsum oder Mobilität, am CO2-Ausstoß beteiligt sind. Es war vor allem auch eine Hürde, diesen Anteil ehrlich vor uns selbst zuzugeben. Das Erkennen und Sichtbarmachen der eigenen Bilanz hat uns alte Gewohnheiten überdenken lassen.

Wie kommen wir von A nach B?

Die größten Herausforderungen waren eindeutig die Bereiche Mobilität und Konsumverhalten. Vor allem die Alltagsmobilität (Wie komme ich zur Arbeit? Wie kommen die Kinder in die Schule? Wie fahren wir einkaufen) war ein gewichtiger Punkt. Beim Konsumverhalten stellten wir uns Fragen wie: Brauche ich wirklich zu jedem Zeitpunkt immer alles und wie viel brauche ich davon definitiv?

Wir haben für uns im Rahmen des Projekts Antworten auf diese Frage gefunden und werden natürlich versuchen, auch in Zukunft nach Kriterien des Klimaziels zu leben. Wir haben gelernt, genauer hinzuschauen und das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wobei: Nach Ende des Projekts läuft man leicht Gefahr, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen, weil es schlichtweg bequemer ist. Wir möchten aber auch künftig unsere Eigenverantwortung wahrnehmen und nicht ständig auf Veränderung "von oben" warten oder uns mit der Einstellung "es nützt eh nichts" zufrieden geben.

Es braucht beides: die politische und die individuelle Ebene

Das heißt nicht, dass es die Politik nicht braucht. Es braucht beide Seiten. Jede/r Einzelne, aber auch die Politik muss handeln. Die Politik sollte unbedingt Rahmenbedingungen schaffen, die es erleichtern, klimaneutral zu leben – da geht es etwa um Radwege oder öffentliche Verkehrsmittel. Vor allem sollte Politik aber auch ein Wertebild vermitteln, bei dem nicht die Gewinnmaximierung oder das Prinzip Schneller-Höher-Weiter-Besser an oberster Stelle steht. Der Klimawandel ist eine Frage, die uns alle betrifft. Die Strategie, möglichst schnell und möglichst viel aus unserer Welt herauszuholen, um unseren materiellen Lebensstandard (noch) weiter zu erhöhen, wird auf Kosten von uns allen gehen.

Die 15 teilnehmenden Haushalte konnten mittels App einen Überblick über ihre Treibhausgasemissionen erhalten. Jetzt steht die App "Ein guter Tag hat 100 Punkte" im Playstore und Appstore allen zur Verfügung. Mit der App sieht man ganz einfach, wie wirksam einzelne Maßnahmen sind. Mit der App werden die Treibhausgasemissionen in Punkten und Tageswerten dargestellt. Der "100-Punkte-Tag" ist das Ziel.

Weitere Infos zum Projekt gibt's unter www.eingutertag.org. Mittlerweile sind ca. 25.000 UserInnen auf der Plattform.

 

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