Kampusch im Kino?

Ihre Geschichte ist so bekannt wie die von Hänsel & Gretel. Leider aber ganz ohne Zuckerguss. Natascha Kampusch wurde als kleines Mädchen entführt, gefangen und missbraucht. Wer möchte dieses Drama auf der großen Leinwand sehen?

Natascha Kampusch hat 3096 Tage in Gefangenschaft verbracht. Wie und was sie dabei erlebt und empfunden hat, hat sie in ihrer Autobiographie festgehalten. Eben diese wurde mit einem Drehbuch vom (inzwischen leider verstorben) Kino-Genie Bernd Eichinger umgesetzt.

Profis am Werk
Auch hinter der Kamera stehen mit Regisseurin Sherry Hormann („Wüstenblume") und Kameramann Michael Ballhaus ganz große Namen aus der Branche hinter diesem Projekt. Experten für gepflegte Massenunterhaltung und Gefühlskino. Natürlich ist es sich bei 3096 Tage nicht um die erste Verfilmung einer Autobiografie. Auch schadet Realitätsnähe keiner Verfilmung.

„Überleben heißt leben"

Trotzdem: Wer möchte die tragische Geschichte des 10-Jährigen Mädchens im Kino sehen, das auf grausame Weise seiner Lebenswelt, Familie und persönlichen Freiheit entzogen wurde? Wie kann aus einem Fall von Kindesentführung eine „Heldengeschichte" werden? Jeder wünscht dem inzwischen 25-jährigen Entführungsopfer Natascha Kampusch das beste für ihren weiteren Lebensweg. Dass die Narben ihrer Vergangenheit jedoch aufgehört haben zu bluten, glaubt niemand.

Horrorvorstellung Kampusch Kino

Angst
Wer selbst Kinder in den Alter hat, wird einen großen Bogen um 3096 Tage machen. Der Albtraum ist im wahrsten Sinne des Wortes zu greifbar. Kindesentführung (am Schulweg) kann jedes Kind betreffen. Angst davor haben alle Eltern. Sie muss nicht weiter geschürt werden. Seit dem Fall Kampusch werden weiße, rote, blaue und Lieferwagen aller Art vor- oder in der Nähe von Schulgebäuden misstrauisch beäugt.

Voyeurismus versus Mitleid
Sie selbst hat es oft genug gesagt: Natascha Kampusch will kein Mitleid. Außerdem - und so steht es auch in ihrer Biografie: Das ehemalige Entführungsopfer hat innere Stärke entwickelt. Vielleicht versteht man ihre Beweggründe tatsächlich besser, wenn man den von ihr autorisierten Film im Kino sieht. Einige von uns möchten trotzdem lieber auf diese Einblicke verzichten.

 

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