Kampagne will Müttern Fast-Food verbieten

"Dein Kind ist, was du isst" heißt es auf einem Plakat einer brasilianischen Gesundheitsorganisation, die darauf hinweisen will, dass Fast-Food den Babies von stillenden Müttern schadet.

Viele Mütter würden ihren Kindern nicht freiwillig Junk-Food geben - oder ihnen erlauben, Alkohol zu trinken. Aber wenn eine Mutter sich während der Stillzeit ungesund ernährt, macht sie dann nicht genau das? Das ist zumindest die Kernaussage einer Gesundheitsorganisation in Brasilien. Die Plakate zeigen wie Babys an ungesundem Essen statt einer Brust nuckeln.

Ein Plakat zeigt, wie ein Baby am einem Burger nuckelt, ein zweites hängt mit den Lippen an einem Donut und ein drittes trinkt aus einem Cola-Becher. Auf dem Plakat steht: "Deine Angewohnheiten in den ersten tausend Tagen können schreckliche Folgen für dein Kind haben."

Diana West, Sprecherin der Organisation La Leche League International sagte gegenüber dem Magazin "Take Part": "Es stimmt nicht, dass dein Essen während der Stillzeit, sofort einen Einfluss auf die Milch hat. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür. Es ist schockierend, dass solche Plakate von einer medizinischen Organisation in die Welt gesetzt werden."

Stillende Mütter werden allgemein darauf hingewiesen, dass sie keinen Alkohol, kein Nikotin und kein Koffein zu sich nehmen sollen, weil diese in die Muttermilch gelangen. Aktuelle Studien zeigen, dass der Konsum von Fast-Food während der Schwangerschaft und Stillzeit dazu führen kann, dass die Kinder später übergewichtig werden können. Eine andere Studie aus dem Jahr 2009 besagt, dass Junk Food auch das Risiko für Asthma erhöht.

Viel Aufregung um Nichts

Doch im Großen und Ganzen sei die Muttermilich von den Essgewohnheiten der Frauen nicht betroffen, so West. "Die Mütter werden die Folgen spüren, nicht die Babys."

Eine Studie der Georgetown Universität aus dem Jahr 1996 bestätigt das. "Auch wenn die Mutter selbst einen Nährstoff- und Energiemangel hat, ist sie noch immer dazu fähig, qualitativ hochwertige Muttermilch zu produzieren", schreiben die Studienautoren. Die Expertin West ärgert sich über den Schameffekt und dass Frauen wieder einmal erklärt wird, was sie zu essen haben.

In Brasilien selbst sind 54 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen übergewichtig. Daher sind Kampagnen gegen Fast Food dort keine Seltenheit. Dennoch: "Babies, die gestillt werden, haben ein weniger hohes Risiko an Übergewicht zu leiden als andere", sagt die Expertin West. "Die Kampagne könnte leider dazu führen, dass mehr Frauen dazu getrieben werden, den Kindern Muttermilchersatz zu geben. Damit würde die Übergewichtigkeitsrate wieder steigen."

 

Aktuell