Junge Männer protestieren in schulterfreien Oberteilen

Eine kalifornische High School verwarnt am ersten Schultag dutzende Mädchen wegen ihrer schulterfreien Oberteile. Mädchen und Buben solidarisieren sich und protestieren gemeinsam gegen den sexistischen Dresscode.

Wir lieben es: Junge Männer gehen in schulterfreien Tops in die Schule - und diesmal nicht, um sich selbst als Leidtragende sexistischer Kleiderordnungen zu positionieren, sondern um ihre Schulkolleginnen zu unterstützen.

In der Kleiderordnung der San Benito High School im kalifornischen Hollister sind schulterfreie Oberteile auf die Verbotsliste. Weil die weibliche Schulter bekanntlich unprofessionell und pfui ist und man sie also im professionellen Umfeld einer Schule absolut nicht sehen darf. Eh klar.

In den letzten Jahren hat das aber niemanden sonderlich interessiert, erzählen SchülerInnen der Yahoo! Style. Die Mädchen erschienen in schulterfreien Oberteilen und ließen sich darin auch für das Jahrbuch ablichten(und warum auch nicht?). Zum Schulbeginn entschied sich Direktor Adrian Ramirez heuer aber, die neue Züchtigkeit durchzusetzen und zitierte am ersten Schultag prompt 50 Schülerinnen mit entblößten (huch!) Schultern zu sich.

Spontan entwickelte sich ein Protest gegen die sexistische Kleidervorschriften: Noch mehr SchülerInnen erschienen in den nächsten Tagen schulterfrei - auch Jungs.

Eine Schülerin sagt der Yahoo!Style: "Die Schulleitung sagt, es sei zu unserem eigenen Schutz aber ich verstehe nicht, wovor sie uns beschützen wollen. Ich glaube nicht, dass jemand dumm genug ist jemand anderen das Shirt runterzuziehen - sie dürfen mich oder jemand anderen nicht mal berühren. Die Schulleitung konzentriert sich auf die falschen Dinge." Mehr Wagen bei der Essensausgabe um die Wartezeit zu verkürzen wären ungleich wichtiger, meint sie.

Schuldirektor Ramirez betont, dass schulterfreie Kleidung in der Kleiderordnung stets verboten gewesen wäre und macht die aktuelle Mode verantwortlich. Weil Off-the-Shoulder-Shirts gerade in sind, wären eben besonders viele Mädchen zu Schulbeginn schulterfrei erschienen. Er hält aber daran fest, dass der Dresscode nicht sexistisch motiviert sei: "Die Schüler glauben, dass [schulterfreie und off-shoulder-Shirts] verboten seien, weil Buben dadurch abgelenkt wären und das ist nicht der Fall. [...] Egal ob man männlich oder weiblich ist, es liegt in der persönlichen Verantwortung sich nicht ablenken zu lassen, unabhängig des Geschlechts." Eine gleiche Behandlung beider Geschlechter sei unerlässlich.

In einem Brief an die Schüler stellt die Schulleitung klar, dass man mit der Kleiderordnung "SchülerInnen davor schützen wolle, mit oder ohne Absicht ein Opfer von Demütigungen zu werden" und die SchülerInnen "auf die Arbeitssuche und -welt vorbereiten wolle" - ein Teil davon sei es eben, die Parameter für Dresscodes zu setzen und einzuhalten.

Der Protest hat dennoch Wirkung gezeigt. Ramirez will ein Schülerkommittee gründen, das die Kleiderordnung weiter diskutieren wird, das Thema wird auch in der nächsten Lehrerekonferenz besprechen.

 

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