Junge Inderin prangert frauenfeindliche Gesellschaft an

Die Schülerin Aranya Johar hielt eine bewegende Rede gegen Sexismus und Frauenhass. Das Video der 18-jährigen Inderin geht um die Welt.

Sie ist das neue Gesicht der Geschlechterdebatte in Indien: Aranya Johar. Sie ist erst 18 Jahre alt, Schülerin - und trotzdem täglich mit Sexismus konfrontiert. Und das seit vielen Jahren. „Ich werde zum Schweigen gebracht“, sagt sie, „reduziert auf Sex.“ Schnell „slammt“ sie ihre Worte über Sexismus, Frauenhaus und Objektifizierung auf der Bühne dahin - und als Zuseherin bekommt man Gänsehaut.

Aranyas bewegende Worte gehen aufgrund ihrer Aussagekraft gerade um die Welt.

„Meine Mutter, Schwestern, Freundinnen – sie alle gehen schneller, wenn es abends dunkel wird", erzählt sie. An einen Vorfall mit neun Jahren erinnert sie sich besonders gut: sie war auf dem Heimweg von der Schule, als ihr ein fremder Mann hinterherpfiff. „Wahrscheinlich wegen meiner Schuluniform mit dem kurzen Rock.“ In diesem Alter fühlte sie sich zum ersten Mal zum Sexobjekt degradiert.

Sie selbst trage nur noch lange Hosen und hochgeschlossene Shirts, um sich nicht später anhören zu müssen: „Du wolltest es ja so.“ Auch das Tabuthema Menstruation spricht sie offen an, und benutzt Worte, die in Indien normalerweise nicht laut ausgesprochen werden: "Vagina, Hymen, Hure, Jungfräulichkeit, Blowjob."

Vergewaltigung in der Ehe noch erlaubt

Frauenrechte sind in Indien spätestens seit dem Dezember 2012 ein Riesenthema. Damals ist eine junge Frau nach einer Massenvergewaltigung in Neu Delhi gestorben. Immer wieder behaupten PolitikerInnen aber, dass die Frauen selbst schuld seien an der ihnen zugefügten Gewalt (etwa wegen ihres "westlichen Kleidungsstils") - und Vergewaltigung in der Ehe ist noch immer nicht strafbar.

Trotzdem stößt das Video von Aranya nicht nur in Indien auf Zustimmung. Schließlich haben Frauen auf allen Kontinenten mit sexueller Gewalt zu kämpfen. Mit dem großen Erfolg ihres Auftritts hatte sie jedoch nicht gerechnet, wie sie der "Welt" verrät. Und weiter: "Es ist traurig, dass so viele Frauen nachfühlen könnten, was ich in meinem Text beschreibe."

 

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