Julian Assange

Seit Wochen kommt er nicht aus den Schlagzeilen. Aber woher kommt eigentlich sein Hang zum Unbequemen? Wir haben da mal nachgegraben und Interessantes herausgefunden!

Sein Spruch „Das erste Kriegsopfer ist immer die Wahrheit" gilt als Zitat des Jahres. Julian Assange, 39, Gründer der Enthüllungs-Website WikiLeaks, die es Menschen ermöglicht, anonym Dokumente von öffentlichem Interesse zu publizieren (zuletzt rund 400.000 Geheim- akten zur Rolle der USA im Irak-Krieg), wird für seinen Kampf um totale Informationsfreiheit nicht nur bewundert. US-Außenministerin Hillary Clinton etwa steht in dringendem Verdacht, eine Dart-Scheibe mit Assanges Foto an ihre Bürowand gepickt zu haben. Nach kaum verhüllten Mordaufrufen rechter US-Meinungsmacher überlegt Assange nun, in der Schweiz um politisches Asyl anzusuchen.

„Ich habe mich in eine außergewöhnliche Situation gebracht", sagt er. „Aber es ist eine sehr erfüllende Aufgabe, die ich mir hier gestellt habe." Den Hang zur Unbequemlichkeit hat das Hirn von WikiLeaks offenbar von seiner Mutter Christine: Sie setzte schon mit siebzehn ihre erste Protesthandlung - und verbrannte ihre Schulbücher. Julians Vater lernte sie bei einer Anti-Vietnam-Demo kennen. „Meine Mutter ist eine willensstarke Frau mit klaren Ansichten", sagt Julian Assange über sein erstes Vorbild. Als er mit Anfang zwanzig um das Sorgerecht für seinen Sohn kämpfte, gründete Christine einen Verein zur Überprüfung behördlicher Kinderschutzmaßnahmen. Hinweis auf einem Flyer für mögliche (Insider-) Informanten: „Wenn Sie wollen, können Sie anonym bleiben."

Mutter Courage, pardon, Assange ist bis heute aktiv, organisierte zuletzt den Protest gegen eine Giftmülldeponie in Australien. „Ich bin nur eine normale Großmutter, die sich Gedanken macht", sagt sie über sich selbst. Hillary würde ihr wahrscheinlich widersprechen - und bedauert wohl gerade, dass manche Äpfel nicht weit vom Stamm fallen.

Christine Assange hat sich nun auch erstmals offiziell zu Wort gemeldet: Sie kritisiert den internationalen Fahndungsaufruf der Interpol gegen ihren Sohn. „Er ist mein Sohn und ich liebe ihn und möchte natürlich nicht, dass er gejagt und eingesperrt wird." Die Fahndungsmeldung der Interpol - die dezitiert kein Haftbefehl ist - dreht sich um die Vorwürfe gegen Julian Assange, er habe im August in Schweden zwei Frauen belästigt. Christine Assange ist von der Unschuld ihres Sohnes überzeugt: „Ich reagiere wie jede Mutter - ich bin erschüttert."

 

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