Jubelnd und in Weiß: Demokratinnen ärgern Trump

Sie kamen in Weiß. Als Zeichen gegen Donald Trump - aber vor allem für Frauen.

State of the Union Demokratische Frauen in weiß

Sie sind gekommen, um zu bleiben und sie wollen gesehen werden. Die (neuen) Frauen im US-Kongress haben anlässlich der "State of the Union"-Rede von Donald Trump aufhorchen lassen. In gemeinsamer Erinnerung an die Suffragettenbewegung, die vor knapp 100 Jahren für das Frauenwahlrecht und Gleichberechtigung kämpfte, erschienen viele demokratische Frauen (wie schon 2017) in Weiß - und machten damit auch optisch klar, dass im RepräsentantInnenhaus eine neue Ordnung herrscht. 

Der schwarz-dunkelblaue Einheitsbrei aus Maßanzügen dürfte der Vergangenheit angehören. Noch nie waren so viele Frauen wie heute unter den Abgeordneten, die meisten davon sind bei den letzten Wahlen für die demokratische Partei ins Rennen gegangen. Viele der Politikerinnen, die nun im Kongress sitzen, hatten ihren Wahlkampf explizit gegen Trump geführt und damit bei den WählerInnen gepunktet. Nun sitzen etwa erstmals zwei weibliche Nachkommen der amerikanischen Ureinwohner im Repräsentantenhaus, außerdem zwei Muslimas. Mit Alexandria Orcasio-Cortez ist zudem die jüngsten Abgeordnete in der Geschichte des Landes im Kongress vertreten. 

Frauen feiern sich selbst - statt Trump

Die neue Dynamik im Haus war bei der Rede Trumps bereits spürbar. Als Trump die hohe Zahl an erwerbstätigen Frauen in seiner Rede lobte, keimte großer Applaus unter den in weiß gekleideten Demokratinnen auf. Selbst von Trumps "damit waren sie eigentlich nicht gemeint" ließen sich die Abgeordneten nicht irritieren. 

Als der US-Präsident wenig später den höchsten Frauenanteil in der Geschichte des Kongresses hervorhob (den man allerdings nicht seiner Partei, sondern fast ausschließlich der demokratischen Partei zu verdanken hat!), war der weiße Block nicht mehr zu halten. Angefeuert von Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, die hinter dem Präsidenten sitzend schon während der ganzen Zeit eine skeptische, leicht amüsierte Miene zog, stimmten die Frauen eine "USA, USA, USA"-Hymne an und tanzten dazu lautstark auf ihren Plätzen herum.

Die weiße Bekleidung der Demokratinnen war nicht nur eine optische Erinnerung daran, dass sich im Kongress etwas geändert hat. Es war auch ein klares Zeichen gegen Trump und die Republikaner, die sich gerade in puncto Frauenrechte in den letzten Monaten viel zu Schulden kommen ließen. Ein deutlicheres "Wir vergessen Nichts" hätte es kaum geben können.

Die Einigkeit, Solidarität und Stärke dieser Frauen hat freilich nicht nur Symbolwirkung. Nach den Kongresswahlen, die die DemokratInnen für sich entschieden, wird es für Trump schwieriger werden, seine umstrittenen Gesetze verabschiedet zu bekommen. Eine Opposition, die er beim bisher männlich und republikanisch dominierten Kongress so nicht gewohnt war.

Nancy Pelosis "F*ck you Clap"

Bestes Beispiel für die neue Ordnung war an diesem Tag wohl die Redensführerin der DemokratInnen selbst: Nancy Pelosi sorgte nicht nur unter ihren Abgeordneten für Stimmung sondern legte sich auch auf subtil-süffisante Weise mit dem Präsidenten an. Als der in seiner Rede davon sprach, dass man das "grenzenlose Potenzial von Kooperation, Kompromiss und dem Gemeinwohl umarmen" müsse, stand die Kongress-Sprecherin auf und klatschte Trump zynisch entgegen. Ihr demonstrativer Klatscher ging wenig später als "F*ck you Clap" durch die sozialen Medien. 

Trump selbst dürfte wohl wenig begeistert davon sein, dass seine Gegenspielerinnen so viel Aufmerksamkeit bekamen. Eines dürfte ihm jedenfalls bewusst geworden sein: Mit diesen Frauen sollte er sich besser nicht anlegen.

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