Joko und Klaas sorgen für 15 TV-Minuten, die es in sich haben - ganz ohne Klamauk

Mit der Ankündigung "Es gibt Menschen, die mehr zu sagen haben als wir" holte das Moderatoren-Duo drei Personen vor die Kamera und ließ sie ihre Geschichten erzählen. Damit sorgten sie für die besten 15-TV-Minuten seit langer Zeit.

Eigentlich wäre Grey's Anatomy dran gewesen. Stattdessen durfte das Moderatoren-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zur Prime Time auf dem ihrem Heimatsender ProSieben ganz 15 Minuten Sendezeit so gestalten, wie sie es wollten - der Preis einer Wette, die die beiden am Vorabend gewonnen hatten. Beim Sender machte man sich offenbar auf das Schlimmste gefasst, sind Joko und Klaas ja für durchaus drastische Aktionen vor der Kamera berühmt-berüchtigt. Der Disclaimer vor der Live-Sendung lautete dementsprechend: "ProSieben hat keinerlei Einfluss auf die Gestaltung der gewonnen Sendezeit. Hoffen wir das Beste."

Tatsächlich präsentierten die beiden dann kein Eskalationsstufe des üblichen Klamauks, sondern 15 Minuten, die wohl mehr Eindruck hinterlassen.

"Wir wollen diese 15 Minuten nutzen für Menschen, die eine Message haben", erklärt Joko Winterscheidt. Ein Sessel wird im leeren Studio platziert und ohne große weitere Ankündigung verlassen er und Klaas Heufer-Umlauf die Bühne. Was folgt, ist ein wenig "Millionen-Show"-Schweinwerfer-Dramatik. Bis Pia Klemp auf dem Stuhl Platz nimmt.

Drei AlltagsheldInnen in 15 Minuten

Pia Klemp war Kapitänin des Rettungsschiffes "Iuventa 10" und erzählt klar und eindringlich von ihrem Alltag in der Seenotrettung. "Ich sah nicht nur Menschen elendig ertrinken, sondern auch Menschenrechtsverletzung im Mittelmeer". Sie sei Zeugin gewesen, wie Flüchtlingsboote von europäischen Kriegsschiffen ignoriert wurden. Und: "Tagelang furh ich mit einem toten Jungen in einer Gefriertruhe auf und ab, weil kein europäisches Land ihn rette wollte, als es noch möglich war, und sie uns dann einen sicheren Hafen verwehrten. Seine Mutter war auch an Bord. Lebendig." Ihre Anklage: "Was sage ich dieser traumatisierten Frau über den Friedensnobelpreisträger EU?"

Als nächstes kommt der Berliner Obdachlosenhelfer Dieter Puhl in die Mitte und berichtet den ZuseherInnen von seinem Alltag in der Bahnhofsmission Zoo. Er könne den Satz "In Deutschland muss doch niemand obdachlos sein" nicht mehr hören: "Ich kenne keinen obdachlosen Menschen in Berlin, des es gut geht." Er richtet einen Appell an die Gesellschaft: "Wenn ihr die Möglichkeit habt, auf obdachlose Menschen zuzugehen, macht es bitte. Blendet sie nicht aus in eurer Wahrnehmung."

Birgit Lohmeyer ist der letzte Gast. Sie wohnt seit 15 Jahren im mecklenburgischen Jamel. In den 11 Häusern des Ortes leben in 8 Neo-Nazis mit ihren Familien. Lohmeyer wird beschimpft und bedroht. Ihrem Kampf gegen den Rechtsextremismus tut das keinen Abbruch. "Alle, die Opfer von rechter Gewalt werden: Wehrt euch. Lasst euch nicht einschüchtern. Es lohnt sich." Gemeinsam mit ihrem Mann veranstaltet sie jährlich ein Musikfestival mit Größen wie Herbert Grönemeyer oder den Toten Hosen.

Nach den drei Auftritten kommen Joko und Klaas, wohl entgegen vieler Erwartungen, nicht noch einmal auf die Bühne. Und haben gezeigt, welche beeindruckenden Geschichten man in 15 Fernsehminuten erzählen kann.

15 Minuten live von Joko & Klaas in voller Länge

 

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