Job oder Familie? "Ich mache keiner Frau einen Vorwurf, die sich für das Eine oder für das Andere entscheidet"

Café Puls-Moderatorin Johanna Setzer kehrt nach über 15 Jahren dem Frühstücksfernsehen den Rücken, um mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen zu können. "Ich habe mich nicht gegen den Job, aber für die Familie entschieden", sagt sie. Eine Entscheidung, wie immer noch vorrangig Frauen sie treffen.

Café Puls

"Bye Bye @cafepuls, mein Sendungsbaby", schreibt die Moderatorin Johanna Setzer vergangenes Wochenende auf Facebook und kündigt damit an, nach der Elternkarenz nicht mehr auf die Frühstückscouch beim österreichischen Privatsender zurückzukehren. Ihr Sendungsbaby ist jetzt längst in der Pubertät angekommen, nach 15 Jahren sei es Zeit, Baba zu sagen. Sie wolle morgens Zeit mit ihrer Familie verbringen, schreibt sie in ihrem Posting: "In meiner Karenz hab ich gemerkt, dass es wunderschön ist den Tag mit meiner Familie zu beginnen ... zusammen zu frühstücken ... zusammen in den Tag zu starten. Nachts um 3 oder 4 Uhr da zu sein wenn der Kleine mal weint und nicht im TV-Studio." Sie habe sich nicht gegen den Job, sondern für die Familie entschieden, sagt sie im Gespräch mit der WIENERIN. Eigentlich wollte sie immer schon mit 25 oder 28 Mama sein, am Ende wurde sie mit 39 Jahren Mutter. "Ich habe den Karriereweg schon sehr früh begonnen. Und ich bin extrem perfektionistisch. Jetzt will ich in der gleichen Qualität, in der ich Frühstücksfernsehen machen durfte, auch für meine Familie da sein können. Das löst in mir einfach ein Gefühl der Zufriedenheit aus", so Setzer.

Ich habe den Karriereweg schon sehr früh begonnen. Und ich bin extrem perfektionistisch. Jetzt will ich in der gleichen Qualität, in der ich Frühstücksfernsehen machen durfte, auch für meine Familie da sein können.

von Johanna Setzer

Ganz selbstbestimmt sei die Entscheidung nicht gewesen, das läge in der Natur einer Partnerschaft. Nachdem sie sich mit Familie und nahestehenden Menschen beraten hat, habe sie die Entscheidung zum Fernseh-Aus getroffen: "Ich bin Feministin genug, um zu sagen: Es ist mein Berufsleben, es ist mein Part im Familienleben. Ich habe mich einfach gefragt: Schau, was willst du mehr? Und klar musste ich dann diese Entscheidung treffen." Von der familären Seite her sei ihr das auch überhaupt nicht schwergefallen.

Bis heute sind es in den meisten Fällen die Frauen, von denen erwartet wird, sich zwischen Entweder/Oder zu entscheiden. Eine im Pew Research Center veröffentlichte Studie bestätigt, was wir aus dem Privaten wissen: Frauen passen ihre Karriere eher an Familie an als Männer das tun. Frauen sind es, die sich eher aus dem Berufsleben zurückziehen, die Karriere eher hinten anstellen und eher Kompromisse zu Lasten ihrer Karriere eingehen.

"Es ist mein Berufsleben, mein Familienleben"

Das bedeutet freilich nicht, dass das die Schuld der Frauen ist. Es ist das System, in dem sie leben - und das kann keiner Frau auf individueller Ebene vorgehalten werden. "Ich mache keiner Frau einen Vorwurf, wenn sie sich nur für Karriere oder nur für Kind entscheidet. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, mit seinen Familienstrukturen, mit seinem finanziellen Hintergrund. Da kann keiner urteilen. Das sind Beweggründe, die sehr privat und intim auch sind", so Setzer. In ihrem Fall bedeutet das: Kein Frühdienst mehr bei Café Puls, mehr Zeit mit der Familie und freiere Zeiteinteilung bei Moderations- oder Radio-Jobs: "Ich bin jetzt 15 Jahre lang um halb drei aufgestanden, habe unheimlich viele Parties ausgelassen, Freunde unter der Woche nie gesehen und um acht am Abend schlafen gegangen. Da kann man schonmal in die Frühstücksfernsehenpension gehen. Es ist für mich einfach jetzt so, dass Familienfreundlichkeit gegeben sein muss bei meinen Arbeitszeiten und wenn die gegeben ist, dann hüpf ich wieder in Fernseher hinein - schneller als man schauen kann", schmunzelt sie, das sei "eine Drohnung und ein Versprechen". Aber bis dahin freut sich die Moderatorin erstmal auf das, was ihre Entscheidung jetzt halt so mit sich bringt, allen voran: "Wenn ich in der Früh da sein kann, wenn meine Familie frühstückt – und zwar nicht nur über den Bildschirm."

 

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