Job: Image oder Leistung?

Um im Job erfolgreich zu sein, reicht es nicht aus, das fleißige Arbeitsbienchen zu sein. Vergessen Sie also nicht auf den Einsatz für den Eindruck. Eine Imagetrainerin gibt Tipps.

Je näher man dem Chefinnen-Sessel kommt, desto wichtiger wird es, in den Eindruck zu investieren. Aber auch da gibt es natürlich Grenzen. Image-Trainerin Imme Vogelsang verrät, worauf Sie in puncto Imagebildung achten sollten.

Frau Vogelsang, was ist wichtiger: Der Einsatz in Leistung und Kompetenz – oder ins Image?

Ich würde nie behaupten, man kann inkompetent, faul oder gar dumm sein und nur das Äußere ist wichtig. Dennoch: Das Äußere ist das, was man als erstes sieht. 230 Millisekunden braucht jeder, um sein Gegenüber in eine Schublade zu stecken. Und aus der kommt niemand so schnell nicht wieder raus. Das ist einfach Arterhaltung: Wir können nicht anders als mit unseren Sinnen andere in Bruchteilen wahrnehmen. Das rührt aus dem evolutionären Impuls her, dass wir in Sekunden entscheiden können mussten, ob der Fremde „Freund oder Feind“ ist. Für den Job heißt das – und das ist wichtig zu wissen: Im Geschäftsleben haben wir meist sehr wenig Zeit, um andere von unseren Fähigkeiten zu überzeugen. Meist bleibt nur, jemanden nur nach einem Image zu beurteilen. Wenn da erst mal alles stimmt, hat man es schon mal weit gebracht. Das heißt natürlich auch für Vorträge oder Meetings, dass nicht völlig egal ist, was Sie da erzählen. Sie sollten nur sehr viel Wert darauf legen, wie Sie den Inhalt vortragen.

Kann man denn im Job mit dem Äußeren blenden?

Nun ja, wir kennen doch alle diese Geschichten, bei denen man sich fragt: Wie ist der Mensch bitteschön in diese Position gekommen?! Das sind diese typischen Blender. Sie gehen durchaus höflich und wertschätzend mit Menschen um, können gut das Unternehmen repräsentieren, sind freundlich, auch Personaler lassen sich davon einlullen – und erst hinterher merkt man: So gut ist der oder die eigentlich gar nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass beim Job-Recruiting zwar vermeintlich objektive (Leistungs-)Kriterien gelten. Aber man entscheidet auch nach Bauch, da geht es nach Sympathie: Da wird Ausschau gehalten nach Leuten, die ein bisschen ähnlich sind wie man selbst. Man schaut also nach jenen, von denen man glaubt, die passen vom Image zur Firma und die passen zum Team. Ohne Leistung nützt einem aber der beste Eindruck nichts.

Lässt sich konkret beziffern, wie wichtig Image ist?

Es gibt diese kommunikationspsychologischen Untersuchungen, laut der 55 Prozent unserer Wirkung nach außen über Kleidung funktioniert. 38 Prozent sind das Auftreten – und nur sieben Prozent der Inhalt. Also das, was Sie mitteilen wollen! Wichtig ist: Ihr Image muss auf jeden Fall stimmig sein. Aber es muss auch zur Position passen.

Wie man sein eigenes Schubladen-Image ändern kann erfahren Sie auf Seite 2 >>

Es ist also gerade für Frauen nicht ganz einfach, im Job nicht in der einen Schubladen steckenzubleiben ...

Was Sie auf jeden Fall vermeiden sollten: das fleißige Lieschen zu sein. Eine Kollegin von mir hat einmal den schönen Satz gebracht: „Lieber die letzte in der Bar als die erste im Büro.“

Wenn wir über unseren Einsatz fürs Image reden, geht es um mich als Person. Aber reicht dieser Einsatz aus?

Nein, denn Einsatz heißt auch: Was ist das Image meiner Firma, was wollen die nach außen tragen? Was erwartet der Konzern von mir: Wie soll ich mich darstellen? Sie müssen sich also damit auseinandersetzen, wie die Corporate Identity eines Unternehmens aussieht. Und dazu müssen Sie passen. Gerade wenn Sie in einem neuen Job anfangen, müssen Sie anfangs schauen: Was erwarten die von mir in Sinne vom Kleidung und Auftreten, bei welchen Terminen werden welche Verhaltensregeln von mir verlangt? Die wenigsten Menschen machen sich darüber vor einem Jobantritt Gedanken. Gleichzeitig gibt es viele Leute, die ganz viele Unsicherheiten haben, ob beim Geschäftsessen oder bei Podiumsdiskussionen.

Spätestens dann, in den oberen Führungsetagen, merkt frau: Sie kann sich kaum an anderen orientieren, denn oben gibt es so wenige Frauen. Was tun?

Weil es uns weiblichen Vorbildern fehlt, entstehen Unsicherheiten, wie sich weibliche Führungskräfte denn nun geben sollen. Niemand verlangt von uns, dass wir aussehen wie die Männer, wenn wir versuchen, unser Image anzupassen. Aber was wir nicht aus den Augen lassen dürfen: Es gibt noch so wenige Frauen ganz oben. Und wenn wir das Spiel mitspielen wollen – so, als wäre es Fußball –, dann können wir eben nicht im Tüllröckchen auflaufen. Das heißt, ein bisschen müssen wir uns eben doch mit der Kleidung anpassen. Im Moment ist unsere Gesellschaft im Job noch zu 80 Prozent männerdominiert bin. Die sehen mich dann in erster Linie als „die mit dem schicken pinken Blazer“. Doch sie sagen nicht, „das ist mit der und der Fachkompetenz.“ Das bedeutet konkret für Frauen: Kleiden Sie sich gerne attraktiv. Nur nie erotisch. Studien nachgewiesen: So bald der Rock zu kurz oder das Dekolleté zu tief ist, nimmt man Sie in der Sekunde nicht mehr ernst. Das Problem ist – und das ist im Moment noch ein Teufelkreis: Weil es noch verhältnismäßig wenige Frauen in Top-Positionen gibt, reden wir immer über unsere Kleidung bzw. ist das bei anderen immer das Hauptthema. Aber ich bleibe dabei: Solange die Arbeitswelt noch männerdominiert ist, muss frau in etwa aussehen wie die anderen, wenn sie ernst genommen werden will.

Kann man sein Image ändern, wenn man schon länger innerhalb einer Firma arbeitet?

Ja, das geht. Und es ist simpel: Wer sich einmal damit auseinandersetzt und darüber bewusst wird, welche Farben zu einem passen und welche Frisur und Kleidung, dann merkt man nach der Umsetzung ganz schnell: Die Leute begegnen einem komplett anders. Plötzlich hören mir die Kollegen im Meeting zu, lassen mich ausreden usw. Das ist das Schöne am Image: Man kann mit so wenigen Mitteln viel bewirken. Sie haben mit der Wirkung von Farben und Kleidung und Accessoires sofort einen Wechsel darin, wie Sie von anderen angesprochen werden. Und das wirkt wiederum darauf zurück, wie man Sie in Ihrer Kompetenz wahrnimmt.

 

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