Jessica Alba: "Gab mir die Schuld, Männer in Versuchung zu bringen"

Aus Scham und Schuldgefühlen hungerte die 38-jährige Schauspielerin. Heute will sie junge Frauen vor dieser toxischen Einstellung warnen.

Jessica Alba "wollte wie ein Kerl aussehen"

"Meine Familie hatte mir eingeredet, dass ich keine engen Jeans tragen sollte, weil ich so ausgeprägt weibliche Kurven und einen runden Hintern hatte". Schauspielerin Jessica Alba spricht in einem Gespräch mit dem Lifestyle-Portal "Goop" offen über das schwierige Verhältnis zu ihrem Körper, das sie bis vor einigen Jahren noch hatte. Der Grund: Ihr Umfeld hatte ihr lange eingeredet, sie und ihr "zu weiblicher" Körper wären schuld daran, wenn Männer ihr Avancen machten.

"Möglichst keine männliche Aufmerksamkeit bekommen"

Die Schuldgefühl kompensierte Alba in einer Essstörung, ihre kurviges Aussehen wollte sie loswerden. "Als ich anfing zu schauspielern, hörte ich auf zu essen. Ich wollte wie ein Kerl aussehen, damit ich möglichst keine männliche Aufmerksamkeit bekomme", sagt sie heute. "Ich habe mich deshalb geschämt, weil ich mir die Schuld gab, Männer in Versuchung zu bringen".

Was Alba beschreibt sind radikale Ausflüchte aus einer Situation, die durch klassische Täter-Opfer-Umkehr geprägt ist. Statt am Fehlverhalten auf männlicher Seite zu arbeiten und Respekt gegenüber Frauen zu lehren, wird die Schuld bei den Opfern gesucht. Frauen werden objektiviert und sollen ihr Verhalten oder ihr Aussehen anpassen, um sich vor der "zügellosen Gelüsten" des anderen Geschlechts zu schützen. Das damit einhergehende Männerbild ist dabei ebenfalls sehr problematisch: Ihnen wird jede Selbstverantwortung abgesprochen, stattdessen werden sie als triebgesteuerte Wesen dargestellt.

Falsche Scham sichtbar machen

Dass Alba deswegen das Gefühl hatte ihren Körper herunterhungern zu müssen, ist erschreckend und radikal. Trotzdem ist es wichtig offen darüber zu sprechen und den Druck auf junge Frauen und ihren Körper zu thematisieren. Glücklicherweise hat die Schauspielerin mittlerweile gelernt, ihren Körper so zu lieben, wie er ist. Über ihre Geschichte kann sie heute offen sprechen - und macht es vor allem deswegen, um Frauen Mut zu machen und den gesellschaftliche Druck und die falsche Scham sichtbar zu machen.

Brauchts du Hilfe?

Bei der kostenlosen, anonymen bundesweiten Essstörungs-Hotline 0800 - 20 11 20 telefonisch beraten lassen (Montag bis Donnerstag von 12-17Uhr).

Das Kompetenzzentrum sowhat bietet ebenfalls professionelle, interdisziplinäre Unterstützung für Menschen mit Magersucht, Ess-Brechsucht, Ess-Attacken mit und ohne Übergewicht oder Adipositas an.

 

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