Jens Jessen und die große Jammerei

Wenn Männer über Feminismus jammern, ergibt das einen Fail der Woche.

"Schäm dich, Mann!" Die barbarischen Feministinnen kommen angeritten, um Männern alles zu verbieten, und natürlich auch wegzunehmen. In diesem Tenor titelt diese Woche das deutsche Wochenmagazin "Die Zeit", mit einer Story des Journalisten Jens Jessen, die derzeit in sozialen Medien für Aufregung sorgt.

Mittlerweile ist es nämlich eine alte Leier: Ältere, weiße Herren, die sich darüber beschweren, dass sie ein paar Sekunden lang nicht das Wort hatten und haben. Die Rede ist von #metoo, einer notwendigen und längst überfälligen Diskussion über sexualisierte Gewalt und Übergriffe in unserer Gesellschaft. Doch manchen Männern geht das gegen den Strich - schließlich sollen sie jetzt auf einmal Verantwortung für die Taten ihres Geschlechts übernehmen. Und sie müssen tatsächlich darüber nachdenken, was sie in Anwesenheit einer Frau tun. Klingt selbstverständlich? Nicht für Jens Jessen.

Für ihn ist das nämlich ein legitimer Grund für einen "Wutausbruch", in dem er die "ideologische Totalität des neuen Feminismus", ein "Willkürregiment" und einen "feminstischen Volkssturm", für den es "keine schuldlosen Männer" mehr gibt, beklagt. Der Shitstorm ist bei solch undifferenzierten Aussagen natürlich nicht weit - im Netz wurde Jessens Ausbruch weniger gut aufgenommen.

Ein Wutausbruch, den niemand braucht

Auch besonders weit hergeholte Vergleiche sind Jessen nicht zu billig: "Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger", schreibt er. Das Problem ist nur: Bei einer derart niedrigen Verurteilungsstatistik von Vergewaltigungen, und noch weniger Frauen, die die Gewalt anzeigen, ist die Jammerei darüber nicht nur lächerlich, sondern verhöhnt auch die Opfer. Und das sind, lieber Jens Jessen, leider noch immer zum Großteil Frauen. Egal, wie sehr man sich die Bedrohung des Mannes - dem es im Patriarchat weiterhin prächtig geht - auch herbeischreiben mag.

Die Schriftstellerin Margaret Atwood hat es aber eigentlich schon perfekt formuliert: "Männer haben Angst davor, dass Frauen sie auslachen könnten. Frauen haben Angst davor, dass Männer sie umbringen könnten." Welcher dieser beiden Ängste man Platz auf Titelseiten und jede Menge ZuhörerInnen geben sollte, wäre schließlich die eigentlich wichtige Frage.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" in unregelmäßigen Abständen besonders frauenfeindliche und sexistische Sager aus.

 

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